Hand in Hand - Internationaler christlicher Lehr- und Hilfsdienst
Gottes Wirken

WENN WARTEN SICH LOHNT –
DIE PENSACOLA-ERWECKUNG

Von Gerhard Bially

 
Pensacola, Florida. Seit dem 18. Juni 1995 hören die Erweckungsversammlungen im Stadtteil Brownsville von Pensacola nicht auf. Kinder haben Visionen von Jesus. Drogenabhängige, Prostituierte und Zuhälter, Hausfrauen, Studenten und Geschäftsleute finden ein neues Leben. Die Kriminalitätsrate ist im gesamten Landkreis um 13 % gesunken. Ob Fabrikarbeiter oder Großindustrieller, ob arbeitsloser Schulaussteiger oder Professor, sie alle liegen nebeneinander auf den Knien und flehen um Gottes Gnade und Erbarmen. Zigtausende von Menschen haben in den Gottesdiensten der „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde erstmalig ihr Leben Gott anvertraut oder sind wie der verlorene Sohn (Lukas 15) zum Vater zurückgekehrt.

 
30.1.1997. „Seit 2.30 Uhr heute nacht bin ich hier und warte auf den nächsten Gottesdienst um 19.00 Uhr“, sprudelt es aus Sky hervor, der eigentlich todmüde sein müßte. „Gestern fuhr ich nach der Erweckungsversammlung nur kurz etwas essen, und dann habe ich mich gleich wieder angestellt“. Trotz des Januar-Wetters macht es ihm nichts aus, im Freien zu übernachten. Bevor er sein Musikstudium beginnt, will er noch eine mächtige evangelistische Salbung empfangen. Sein Wunsch: Menschen durch Lobpreis, Anbetung und die Verkündigung in Wort und Musik zum Herrn zu führen.

Einige Frauen haben die Nacht im Auto auf dem Parkplatz der Gemeinde verbracht, ihre Stühle jedoch auch schon an der Spitze der Warteschlange aufgestellt. Sky war so nett und hat darauf aufgepaßt. Während der Nacht und am frühen Morgen stoßen immer mehr Besucher dazu. Sie alle sind getrieben von dem Verlangen, „Gott zu begegnen“. Wenn die umliegenden Bewohner morgens zur Arbeit oder zur Schule fahren, sehen sie bereits eine große Menschentraube vor der Kirche warten.

Wenn sie nicht gerade fasten, verzehren die geduldig Wartenden ihre Vorräte oder kochen sich sogar etwas auf dem mitgebrachten Gaskocher. Sanitäre Anlagen können in einem Seitengebäude der Gemeinde von den Besuchern genutzt werden. Die Stunden vergehen mit Unterhaltung, Singen, Bibellesen und Beten. „Sind Sie Christ? Sind Sie errettet und mit dem Heiligen Geist erfüllt?“, fragt mich eine Frau. Als ich bejahe, fügt sie hinzu: „Ich wollte nur sicher gehen, daß Sie nicht in die Hölle kommen.“ Um die Mittagszeit treffen bereits die ersten Busse ein.

Heute am Donnerstag findet parallel zu der „normalen“ Erweckungsversammlung ein Jugendgottesdienst statt. Auch dafür stehen die Teenager Stunden vorher an. Ein Mädchen kommt aus Indiana, immerhin mehr als 1.000 Kilometer entfernt. Auf meine Frage, ob sie Ferien habe, meint sie: „Das nicht, doch ich besuche eine christliche Schule, und da hab’ ich frei bekommen, um hierher fahren zu können.“ Eine 50 Personen starke Jugendgruppe aus der Airport-Gemeinde in Toronto ist auch hier. Ihr Jugendpastor Kim Umrau hält es für gut, auch einmal „anderes Manna“ zu schmecken. Ob die kompromißlose Verkündigung des Evangelisten Steve Hill den Jugendlichen nicht zu hart erscheint, frage ich. „Nein“, meint die Mitarbeiterin Karel Low, „denn sie spüren seine Liebe, die in der Botschaft mitschwingt“.

 
31.1.1997. Jeden Freitag findet in der „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde ein Taufgottesdienst statt. Alexia beginnt zu weinen, als sie ein kurzes Zeugnis (testimony) vor der Taufe geben will. 16 Jahre lang habe sie keinen Sinn im Leben gesehen, dafür aber das Elend einer Drogenkarriere geschmeckt. Als sie vor wenigen Monaten hierher zog, sei sie auf Schritt und Tritt gefragt worden: „Kennst du Gott? Hast du Jesus angenommen?“ Unmittelbar vor der Taufe betet Alexia für ihren Vater. Die Menge jubelt.

Zitternd beginnt das nächste Mädchen: „Mein Vater war sechsmal verheiratet, meine Mutter zweimal. Acht Jahre lang hat mich mein Stiefvater mißbraucht. Ich dachte, ich könnte das nie vergeben. Dann kam die Erweckung ...“

Ein Mann um die 30 bekennt, daß er alkoholsüchtig war und vor der Scheidung stand. Jetzt ist Jesus in sein Leben getreten.

Eine junge Frau hat vor zwei Wochen zum himmlischen Vater zurückgefunden. Das hat ihren Ehemann und die ganze Familie verändert.

Ein Mann mittleren Alters erzählt, daß er Verbrennungen von der Hüfte bis zu den Füßen hatte. 4 1/2 Jahre lang litt er unter Schmerzen. Seine Frau zeigte dem Evangelisten Steve Hill ein Bild von ihm und ließ ihn darüber beten. Das Resultat: Heilung. Jetzt läßt er sich taufen ...

Mehrere Täuflinge waren vorher an Alkohol, Drogen und Pornographie gebunden und sind jetzt Bibelschüler an der neugegründeten „Brownsville Revival, School of Ministry“.

Nach der Taufe durch Untertauchen, die oft unter Mithilfe von Pastoren anderer Gemeinden durchgeführt wird, singt der Chor heute „Lord, have mercy ... Herr, hab’ Erbarmen mit uns, denn wir setzen unser Vertrauen ganz auf dich.“ Noch hatte Evangelist Steve Hill keine Gelegenheit, die Botschaft des Abends zu bringen, geschweige denn, einen Altarruf (Ruf zur Umkehr, Lebensübergabe und Heiligung) zu machen. Doch plötzlich stehen Menschen auf und gehen, ja laufen eilends zum „Altar“. Dort brechen sie zusammen. Viele weinen, während sie mit dem Gesicht auf dem Fußboden liegen.

Nun halten es auch die anderen Anwesenden nicht mehr auf ihren Plätzen aus. In Betroffenheit, in Fürbitte oder auch in staunender Anbetung stehen sie vor Gott. Seine Gegenwart lagert auf der Versammlung. Der Heilige Geist überführt von Sünde. Evangelist Steve Hill ruft aus: „Einige von euch sind zu Tode erschrocken. Ich sag’ dir warum. Du spürst vielleicht zum erstenmal in deinem Leben, da ist etwas, da ist eine Kraft, eine Macht. Die Furcht Gottes kommt über dich. Sie will dich zu Jesus, dem Erretter führen. Fall auf deine Knie und rufe aus: Jesus, erbarme dich über mich.“

Überall in den Gängen knien Menschen. Viele schluchzen. Ein Weinen um verlorene Seelen und über eigene Sünden erfaßt die ganze Versammlung. Steve Hill läßt einen älteren Herrn auf der Trompete ein fanfarenartiges Stück spielen. Es klingt so wie „die letzte Posaune“. Militärangehörige kommen nach vorne – denn Pensacola ist ein Militärstützpunkt – und beugen ihre Knie vor dem Herrn aller Herren.

Doch der Taufgottesdienst endet nicht mit Weinen und Traurigkeit, sondern in Dankbarkeit und Freude. Wie jeden Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Samstag ist nach dem Ruf zur Bekehrung und Heiligung des Lebens, gefolgt von Gebet und einem kurzen seelsorgerlichen Gespräch, das Segnungsangebot für alle offen. „All your promises are ‚yes‘ and ‚amen‘ “, zu deutsch: „All deine Verheißungen sind Ja und Amen“, schallt es immer wieder durch die 2.300 Sitzplätze fassende Kirche und die Nebenräume, in denen der Gottesdienst auf einer Leinwand mitverfolgt werden kann.

 
Wie alles begann

Als Pastor John A. Kilpatrick Evangelist Steve Hill einlud, am 18. Juni 1995 in ihrem Vormittags- und Abendgottesdienst zu predigen, war niemand auf das vorbereitet, was dann geschah. Hill sprach über Psalm 77, Vers 12: „Ich will der Taten des HERRN gedenken und mich der Wunder der früheren Zeiten erinnern“. In Verbindung damit erzählte er von seinem Besuch in der anglikanischen „Holy Trinity Brompton“-Kirche in London. Dort hatte er im Januar 1995 „eine Erfrischung im Heiligen Geist“ erlebt – und deshalb fragte er die Gemeinde, wer von den Anwesenden sich auch nach einer Erfrischung sehnt. Wohl mehr als 1.000 Hände gingen in die Höhe.

Hill wußte zuerst nicht, wie er reagieren sollte. Dann lud er ein, nach vorne zu kommen, damit er unter Handauflegung für die Gläubigen beten könne. „Als ich anfing, den Menschen die Hände aufzulegen, begann der Heilige Geist über ihnen zu wehen. Ich schaute zu Pastor Kilpatrick hinüber und sagte: Mehr, Herr! John Kilpatrick wurde vom Feuer Gottes erfaßt und fiel zu Boden.Mehrere Stunden lang lag er da. Erst um 16.00 Uhr ging der Vormittagsgottesdienst zu Ende. Der Abendgottesdienst dauerte dann weit bis nach Mitternacht.

Es war offensichtlich, daß Gott selbst die Menschen angerührt hatte. Sie wollten wiederkommen am nächsten Abend. Da war keine Zeit, vorher eine Gemeinderats- und Presbyteriumssitzung einzuberufen. Steve Hill blieb auf Bitten des Pastors einen zweiten Tag in der „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde, dann einen dritten, einen vierten und einen fünften Tag usw., obwohl er Termine verschieben oder absagen mußte. Und er versprach: „So lange die Leute kommen, bleibe ich hier.“

Vier Wochen nach der Geistesausgießung vom 18. Juni 1995 waren es nicht weniger, sondern mehr Besucher. Gegenüber der Zeitschrift „The Remnant“ (Mobile, Alabama) äußerte Pastor Kilpatrick zu jener Zeit: „Mein Telefon steht nicht still, seit die Erweckung begonnen hat. Tagtäglich erhalte ich Anrufe von Menschen, die Christus in unseren Gottesdiensten erfahren haben.“

Am 24. Juli 1995 bringt das Pensacola News Journal die Brownsville-Erweckung als Titelgeschichte. Linda B. Smith, verantwortlich für die Jugendarbeit einer örtlichen Methodisten-Kirche, wird direkt auf der Titelseite zitiert: „Eine Erweckung dieses Ausmaßes geschieht einmal oder vielleicht zweimal in einem Jahrhundert. Pensacola hat so etwas noch nie erlebt.“ Linda Smith, eine Absolventin des Asbury College, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Studium von Erweckungsbewegungen. Methodisten, Baptisten, Reformierte, Anglikaner und Katholiken sowie viele andere nehmen an den Erweckungsversammlungen in Pensacola teil oder wirken sogar mit.

Pastor Buford Lipscomb von der Liberty Church, die besonders in den Anfangsjahren der Charismatischen Erneuerung sehr bedeutsam war, bezeichnet die Geistesausgießung in seiner Nachbargemeinde als ein souveränes Handeln Gottes. Pastor Kilpatrick habe sogar vor der Erweckung gegen genau die „Manifestationen“ gepredigt, die sie seit dem 18. Juni 1995 als Begleiterscheinungen immer wieder erleben. Als die Erweckung ausbrach, hatte Pastor Lipscomb oft die Gelegenheit, gemeinsam mit Evangelist Hill und Pastor Kilpatrick für die Menschen zu beten.

„Alles war so neu und überwältigend. Es war am Anfang gar nicht koordiniert. Wir trafen uns dann öfter mit anderen Pastoren und sprachen über das, was geschehen ist und wie wir zusammenarbeiten können“, kommentiert Pastor Lipscomb im Gespräch mit Charisma.

Vorbereitet wurde die Erweckung auf zweierlei Weise:
Erstens, indem die „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde mehr als zwei Jahre jeden Sonntag abend um Erweckung betete, rang und flehte. Zweitens dadurch, daß einige Gemeindeglieder kurz vor Ausbruch der Erweckung in Toronto waren, u.a. Pastor Kilpatricks Frau und der erst kurz davor eingestellte „Musikpastor“ Lindell Cooley.

 
Auswirkungen und Ausmaße der Erweckungsversammlungen

„Während ich diesen Leserbrief schreibe, beginnt die zehnte Woche der Erweckungsversammlungen in der „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde, so Paula D. Patrick in „Pensacola News Journal“, 10. September 1995. „Mehr als 4.500 Menschen sind bisher dem Ruf des Heiligen Geistes zur Errettung gefolgt“, fährt sie fort. „Ich habe gesehen, wie Menschen von Drogen, okkulten Bindungen, Homosexualität befreit und wie zerbrochene Ehen geheilt wurden ... Christen werden erfrischt durch einen Kuß von Gott.“

Auch Bob Bishop, Direktor der internationalen Missionsgesellschaft GLOBE mit Sitz in Pensacola, Florida, konnte im September 1995 im „National & International Religious Report“ berichten, daß seit Beginn der Pensacola-Erweckung ca. 116.000 Menschen die Kirchentüren der „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde durchschritten haben – 35.000 davon Erstbesucher – und etwa 5.000 Menschen zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind. Gerade in den ersten Wochen und Monaten kamen viele suchende Menschen aus der direkten Umgebung. Am Mobile Highway, der Hauptstraße, die an der Gemeinde vorbeiführt, standen früher die „leichten Mädchen“. Jetzt haben sich einige von ihnen bekehrt, die anderen haben sich zurückgezogen.

In den Schulen der Umgebung wußten manche Lehrer und Lehrerinnen nicht, was sie mit den Jugendlichen machen sollten, die anscheinend auch während des Tages von der Kraft Gottes ergriffen waren. Überall bildeten sich Bibel- und Gebetskreise. Lehrer und Schulrektoren kamen mit ihren schwierigsten Schülern in die Erweckungsversammlungen. Der Bezirks-Schulsuperintendent schrieb einen Zeitungsartikel, in dem er die positiven Veränderungen innerhalb der Schülerschaft aufgrund der Erweckung würdigte.

Im Mai 1996 kam der messianische Jude und Alttestamentler Dr. Michael Brown zu Besuch nach Pensacola. Brown, der neben manchen wissenschaftlichen Artikeln viel über konsequente Jüngerschaft geschrieben hat (vgl. sein 1995 im Gottfried Bernard Verlag, Solingen, erschienenes Buch „Wo ist bloß die Kraft geblieben?“), spürte bereits am ersten Abend: „Das ist echt. Das ist eine genuine Erweckung.“ Im Gespräch mit Charisma betonte er: „Es war das erste Mal für mich, daß ich in Amerika nicht nur Erneuerung, sondern Erweckung miterlebt habe. Ich wußte, das ist es, wofür wir jahrelang gebetet haben.“ So begann er, sich einzuklinken und die Erweckungsversammlungen durch Lehrveranstaltungen zu ergänzen. Jeden Freitag und Samstag lehrt Dr. Brown um die Mittagszeit in der „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde.

Genau ein Jahr nach Beginn der Erweckung sprach Gott in der Nacht zu ihm in bezug auf eine Bibelschule. Im Spätsommer und Herbst ’96 reiften die Pläne: Eine Bibelschule für die Neuerweckten, die fortan ihr ganzes Leben in den Dienst des Reiches Gottes stellen möchten. Ab November ’96 gab es die ersten Anmeldeunterlagen. Im Januar 1997 begann die „Brownsville Revival, School of Ministry“ mit 120 Studierenden. Einige von ihnen sind bereits Akademiker (wie z. B. ein etwa 40jähriger Kunstprofessor), andere haben nicht einmal den „High-School“-Abschluß geschafft.

Einer der ältesten Schüler ist Robert Sparks. Besonders seine Frau hat eine dramatische Veränderung durch die Erweckung erlebt. Gemeinsam mit ihr drückt der inzwischen pensionierte Ingenieur für Weltraumfahrt nun wieder die Schulbank. „Seit ich 1972 wiedergeboren wurde, habe ich nur für mich allein oder in der Gemeinde die Bibel studiert. Hier auf der Schule werden die Aussagen der Schrift mit dem Wirken des Heiligen Geistes in dieser Erweckung in Verbindung gebracht – und das macht es lebendig.“

Das Ziel der zweijährigen Ausbildung besteht darin,

  • in der Heiligen Schrift gegründet zu sein;
  • für die Praxis des geistlichen Dienstes zugerüstet zu werden;
  • mit Erweckungsfeuer im Herzen in die ganze Welt hinaus zu gehen – also auch nach Deutschland, Österreich und die Schweiz!
(Besonders der Dienst in Übersee ist u.a. in Verbindung mit der bereits vorher erwähnten Missionsgesellschaft GLOBE gedacht, die ihren Sitz ebenso wie die Bibelschule auf dem Gelände der Liberty Church hat). Für das nächste Schuljahr ab Herbst ’97 rechnet Dr. Brown bereits mit 500 Studierenden, da täglich neue Anmeldungen eingehen. Etwa die Hälfte der Schüler/innen ist „aus der Erweckung geboren“. Etwa ein Drittel von ihnen war vorher drogenabhängig.

 
Wenn Gott wirkt, bleiben dann noch Fragen?

Da Gott sich trotz seines souveränen Wirkens menschlicher Werkzeuge bedient, wird das Menschliche, das Fehlerhafte, das Unvollkommene nie auszuschließen sein. Wenn auch die Gegner der „Lachsalbung“ hier in Pensacola auf ihre Kosten kommen, so mag schon wieder jemand kritisch anmerken: „Kann denn Weinen nicht auch ansteckend sein? Und kann der ‚Ruf zum Altar‘ nicht auch eine suggestive Wirkung haben? Ja, wird hier nicht mit Druck und Angstmacherei gearbeitet? Und warum muß überhaupt alles so laut und emotional sein?“

In der Tat mag manches soziologisch, anthropologisch und psychologisch bedingt sein. Selbst Evangelist Hill räumt ein, der Süden der Vereinigten Staaten sei kompromißlose Predigten gewohnt, das, was Kritiker hierzulande „fundamentalistisch“ oder „Schwarz-weiß-Malerei“ nennen.

Für die Suchenden gibt es nur eine Botschaft: Wenn du so weiter lebst wie bisher, wirst du in der Hölle enden! Doch Gott liebt dich so sehr, daß er seinen Sohn für dich gesandt hat, der auch für deine Sünden gestorben ist. Durch das Blut Jesu kannst du rein werden von aller Sünde. Wende dich von deinen Sünden ab, laufe zum Gnadenthron Gottes, bitte Jesus, dir zu vergeben, dich frei zu machen und in dein Leben zu kommen! Dann wird alles neu.

 
Jesus krempelte unsere Familie um

Mein letzter Tag in Pensacola. Ich will die Straßen um die „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde herum etwas kennenlernen. Etwa 200 bis 300 Meter von der Kirche entfernt entdecke ich ein Geschäft „Hotel Liquidation“, das Konkursmasse von Hotels verkauft. Auf den Garagentoren steht in riesiger Schrift: „Jesus liebt dich und möchte dich retten ...“ Ich komme mit dem Besitzer Larry Smith ins Gespräch. „Meine ganze Familie ist so gesegnet worden durch die Erweckungsversammlungen,“ bekennt er. „Besucher aus vielen verschiedenen Staaten kommen in unser Geschäft und erzählen ihr Zeugnis,“ fährt er fort. Doch ich soll mit ’reinkommen, seine Frau und den jüngsten Sohn kennenlernen.

Gern erzählt Roger mir seine Lebensgeschichte: „Etwa 14 Jahre lang war ich drogenabhängig. Meine Umgebung war rauh, die anderen gingen nicht zimperlich mit mir um. Ich habe vier ältere Brüder, die auch Drogen nahmen. Wir verbrachten viel Zeit auf der Straße. In der neunten Klasse habe ich die Schule abgebrochen und keine weitere Ausbildung gemacht. Von zu Hause wollte ich weg. Doch als ich 18 war, kam dieses Verlangen in mir auf, das Echte, das Wahre zu finden. 1995 war ich völlig am Ende.

Meine Familie war schon zu den Erweckungsversammlungen gegangen. Du konntest die Veränderung in ihrem Leben sehen! Am 5. August 1995 – der Tag, an dem ein Hurrican über Pensacola hinwegfegte – fuhr ich in meinem Auto umher und fühlte mich so elend. Gerade hatte ich meinen Bruder und seine Frau gesehen. Sie hatten früher so viele Probleme miteinander gehabt. Und jetzt, durch die Erweckung, waren sie wie neu verliebt. Ich aber hatte gerade Schluß gemacht mit meiner Freundin.

Auf einmal kam es über mich: Ich weinte, brach zusammen, konnte nicht mehr weiterfahren. Ich wußte: Auch für mich gibt es nur eine Antwort. Es ist der Herr! Dort am Straßenrand weihte ich mein Leben Jesus Christus.“ „Und er warf sofort alle seine Drogen weg“, fügt seine Mutter hinzu. „Hast du keine Entzugserscheinungen gehabt?“, frage ich. „Nein“, antwortet Roger, „keine“. „Seitdem brennt er für Jesus“, ergänzt die Mutter.

Drei Monate lang ging Roger zu jeder Erweckungsversammlung und kam oft erst zwischen 3.00 und 5.00 Uhr morgens nach Hause. Denn in den ersten Monaten verließen die Leute die Gottesdienste oft erst bei Tagesanbruch und gingen dann zur Arbeit. Immer wieder ließ Roger von Steve Hill und Pastor Kilpatrick für sich beten. Inzwischen hat er sich der pfingstlichen „First Assembly of God“-Gemeinde seiner Eltern angeschlossen und besucht jeden Donnerstag mit einer Gruppe aus dieser Gemeinde die Strafgefangenen im nahegelegenen Gefängnis.

 
Von den Erweckungsversammlungen in Brownsville zur Pensacola-Erweckung

Noch ist es nicht die Mehrheit der Bevölkerung, die von der Erweckung erfaßt ist. Noch sind erst einige Gemeinden in Pensacola und Umgebung durch die Erweckungsversammlungen gewachsen. Andere haben sogar Mitglieder verloren, die jetzt lieber zur „Brownsville Assembly of God“-Gemeinde gehen. Noch sind es nur wenige Gemeinden, denen Adressen anvertraut und die in die Nacharbeit miteinbezogen werden. Doch die Hoffnung manches Pastors in Pensacola ist, daß es von den Brownsville-Erweckungsversammlungen zur Pensacola-Erweckung kommen wird.

Wenn die Schulbehörden, der Sheriff, die Autovermietung am Flughafen und immer mehr Restaurants und Hotels von den Auswirkungen der Erweckungsversammlungen zu berichten wissen, wenn sogar die „Associated Press“ (ähnlich unserer Deutschen Presse-Agentur dpa) sich dafür interessiert, dann ist ein „awakening“ – eine flächendeckende Erweckung – nicht mehr fern, wie Steve Hill meint. Deshalb haben wir im Glauben die in den USA als „Brownsville Revival“ bekanntgewordenen Erweckungsversammlungen DIE PENSACOLA-ERWECKUNG genannt.

Gerhard Bially

Leider konnte ich in diesem Artikel nur einen bruchstückhaften Eindruck von der Erweckung in Pensacola weitergeben. Viel Wichtiges, Interessantes und so viel an Hintergrundinformationen mußte weggelassen werden. Deshalb empfand ich es als angebracht und notwendig, in einem Buch all das zu schreiben, was ich Ihnen gern noch gesagt hätte. Der Titel:

Wenn Warten sich lohnt. Erweckung in Pensacola.
190 Seiten, viele Fotos.

Es ist zum Preis von 24,80 DM zzgl. Porto erhältlich bei:

Charisma-Verlag
Mendelssohnstraße 2a
40233 Düsseldorf

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