| ERFOLGREICHE LEITERSCHAFT Kritik kann aus unterschiedlichen Richtungen kommen: von unseren Gegnern oder Feinden, von Leitern anderer Gemeinden und christlicher Organisationen, aber auch aus unseren eigenen Reihen, d.h. ausgerechnet von den Menschen, denen wir als Leiter dienen wollen. Kritik von außen ist leichter zu verkraften. Wir können uns zumindest sagen, dass unsere Kritiker es auf ihren persönlichen Vorteil abgesehen haben, dass hinter ihren Angriffen Vorurteile, Unwissenheit und geistliche Blindheit stehen, oder dass sie sich bewusst der Wahrheit widersetzen. In der Schusslinie des geistlichen Kampfes zu stehen, kann eine geradezu belebende Wirkung haben. Kritik von anderen christlichen Leitern dagegen ist viel schwerer zu ertragen, weil man ja eigentlich zum selben Lager gehört trotz konfessioneller und lehrmäßiger Unterschiede oder verschiedener Gottesdienstformen. Aber auch diese Angriffe können wir, wenigstens teilweise, auf Engstirnigkeit, Unsicherheit oder gar Eifersucht zurückführen. Am schlimmsten aber ist Kritik aus den eigenen Reihen. Hierbei handelt es sich ja wirklich um Leute aus demselben Lager, und Kritik und Nörgelei riechen sehr schnell nach mangelnder Loyalität oder Rebellion. Es kann zutiefst verletzen, wenn ausgerechnet diejenigen Kritik äußern, die uns vor wenigen Jahren in eine leitende Position berufen haben und meinten, wir seien dafür geradezu prädestiniert Bisher haben sie nie etwas auf uns kommen lassen, und plötzlich fallen sie uns in den Rücken. Wir empfinden ihr Verhalten als Verrat und beschließen, nie wieder jemandem zu vertrauen. Gleichzeitig fragen wir uns, ob wir sie mit den gleichen Mitteln bekämpfen sollen. Wir müssen uns von vornherein klarmachen, dass Kritik aus dem Leben eines Leiters nicht wegzudenken ist. Diese Feststellung verhilft zu einem objektiveren Umgang mit Kritik. In einem englischen Sprichwort heißt es: Wer die Hitze nicht verträgt, sollte besser nicht am Herd stehen. Leiter müssen deshalb von ihren Zielen überzeugt und in der Lage sein, ihre Pläne trotz negativem Feedback zu verwirklichen. Sonst haben sie keine Leiterfunktion mehr, sondern lassen sich von der jeweils vorherrschenden Stimmung ihrer Mitarbeiter beeinflussen. Unsere Überlegungen sollten noch einen Schritt weitergehen: Kritik ist nicht nur eine unvermeidliche Begleiterscheinung von Führungspositionen; sie ist zudem verständlich und vollkommen legitim, selbst wenn auf Seiten der Leiter kein Fehlverhalten vorliegt. Die Gründe dafür wollen wir uns genauer anschauen. 1. Leiter sorgen immer für Veränderung. Veränderungen empfinden die meisten Leute als etwas Unbequemes oder sogar Bedrohliches, selbst wenn sich etwas zum Besseren wendet. Es wird also immer Mitarbeiter geben, die den Status quo vehement verteidigen und sich allem Neuen hartnäckig widersetzen. Aus ihrer Sicht denken sich Leiter ständig neue Unannehmlichkeiten aus. 2. Leiter beschäftigen sich mit der Zukunft und leben zielorientiert. Die gegenwärtigen Umstände haben also immer etwas Unvollkommenes, und die gesteckten Ziele sind erst teilweise verwirklicht. Insofern besteht auch immer Grund zu berechtigter Kritik; bestehende Mängel und Unzulänglichkeiten bieten sich dafür geradezu an. Sobald sich ein Projekt dem Ende nähert, sehen Leiter wieder neue Projekte am Horizont und steuern neue Ziele an. Auch hier werden Schwachstellen und somit Angriffspunkte für Kritik nicht ausbleiben. 3. Fragen und Kritik entstehen oft aus dem einfachen Grund, dass zukünftige Entwicklungen für Mitarbeiter weniger klar auf der Hand liegen. Das wird auch gar nicht von ihnen erwartet sonst bräuchten sie keine Leiter oder hätten selbst Leitungsaufgaben. Wichtig ist, dass Leiter ihre Vision in Form eines klaren Konzeptes vertreten und ihren Mitarbeitern immer wieder den Weg weisen. Fragen und Zweifel können ein Zeichen dafür sein, dass darauf nicht genug Wert gelegt wurde. 4. Leiter haben in der Regel einen Informationsvorsprung. Ihre Mitarbeiter sind also weniger gut informiert und ziehen manchmal voreilige Schlüsse. Auch darin liegt eine mögliche Quelle für Kritik. Vielfach kommunizieren die Leiter nicht klar oder umfassend genug, und in manchen Fällen halten sie bewusst Informationen zurück, um ihren eigenen Machtbereich zu behaupten. 5. In schwierigen Zeiten verblasst häufig die Vision. Wenn es hart auf hart geht, zeichnen sich Schwierigkeiten und Hindernisse deutlicher und überzeugender ab als Ziele. Mit der Realität der Probleme sind wir unmittelbar konfrontiert; die Ziele dagegen liegen weit entfernt in der Zukunft. Angstbedingtes Nörgeln und Fragen ist keine Seltenheit. Die Geschichte vom Auszug aus Ägypten sollte für alle Leiter Pflichtlektüre sein, nicht zuletzt, weil wir daraus etwas über den Umgang mit Kritik lernen können. Jede Reise zu einem lohnenswerten Ziel führt streckenweise durch die Wüste. Gerade in diesen Momenten haben Leiter eine wichtige Funktion. Wenn alles glattläuft, ist Führen keine Kunst, und Leiter können sich sogar überflüssig vorkommen. Unter Druck dagegen, wenn alle anderen bereit sind, das Handtuch zu werfen und wieder nach Ägypten zurückzukehren, sind Leiter in ihrem Element. 6. Manchmal wird auch Kritik geäußert, um auf echte Gefahren und Fehler hinzuweisen, die den Leitern nicht bewusst sind. Dadurch, dass Leiter von ihren langfristigen Zielen stark in Anspruch genommen sind, sind sie manchmal blind für Fallen, in die sie förmlich hineinstolpern. Die anderen Mitarbeiter haben oft einen viel besseren Blick für unmittelbare Gefahren. 7. Verschiedene Menschen können ein und dieselbe Situation völlig unterschiedlich wahrnehmen, weil ihr Leben von verschiedenen Grundmotivationen geprägt ist. Auch dadurch wird eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Mitarbeiter, deren Aufgaben klar und deutlich abgesteckt sein müssen, bevor sie loslegen können, wollen immer genauere Einzelheiten wissen. Problemlöser sind ständig auf der Suche nach komplizierten Fällen. Menschen, die Zeit brauchen, um sich auf etwas einzustellen, reagieren meistens zurückhaltend. 8. Fahrlässig eingesetzte Macht kann anderen Menschen schweren Schaden zufügen. Es könnte einen zur Verzweiflung treiben, wenn man sieht, wie viele Christen von autoritären, unsensiblen oder einfach achtlosen Leitern zutiefst verletzt worden sind und noch heute an den Folgen leiden. Viele Menschen können keinem Leiter mehr Vertrauen entgegenbringen. Um zu erkennen, wann Kritik etwas mit Verletztheit zu tun hat und um damit umgehen zu können, sind Unterscheidungsvermögen und Weisheit erforderlich. 9. Macht hat immer etwas Faszinierendes; deshalb sind Führungspositionen so begehrt. Bei der Besetzung einer solchen Stelle übergangen oder abgelehnt zu werden, kann Eifersucht auslösen. Neid und Eifersucht können sich durch Kritik oder persönliche Angriffe äußern, wie sie auch gegen Moses gerichtet wurden: Und sie empörten sich wider Mose im Lager, wider Aaron, den HeiIigen des Herrn (Psalm 106,16). 10. Schließlich wird auch deshalb so viel kritisiert, weil es ungleich einfacher ist, Fehler bei anderen zu finden, als selbst etwas auf die Beine zu stellen. Initiative zu ergreifen und etwas Neues zu entwickeln erfordert Zeit, Energie und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Außerdem steht dabei oft eine Menge auf dem Spiel, und wenn es nur der gute Ruf des Projektverantwortlichen ist. Gene Edwards sagte einmal sehr treffend: Die Fähigkeit, Fehler zu sehen, kann von jedermann mühelos ausgeübt werden. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum uns Kritik so leicht über die Lippen geht: Wir bringen damit indirekt zum Ausdruck, dass wir die Aufgabe viel besser erledigt hätten. Ob wir dazu wirklich in der Lage wären, lässt sich ja nicht überprüfen. Wenn Leiter erkannt haben, dass Kritik weder außergewöhnlich noch unbedingt destruktiv ist und sie sowieso lernen müssen, mit ihr zu leben, stellt sich die Frage nach kreativen Möglichkeiten im Umgang mit, Kritik. Dazu im folgenden einige Grundregeln. 1. Weisen Sie Kritik nicht von vornherein zurück. 2. Lassen Sie sich durch Kritik nicht entmutigen. 3. Lassen Sie sich durch Kritik nicht demoralisieren. 4. Lassen Sie sich nicht von Kritik bestimmen. 5. Nehmen Sie Kritik nicht persönlich. 6. Versuchen Sie, dem Grund für die Kritik auf die Spur zu kommen.
Ziehen Sie erst dann vorsichtige Schlüsse in bezug auf Motive und innere Einstellungen, wenn Sie die Situation anhand der anderen, oben genannten Kriterien überprüft haben. Das Infragestellen der Motive sollte nie an erster Stelle stehen. Wir sind kaum in der Lage, unsere eigenen Motive hundertprozentig richtig einzuschätzen und sollten deshalb mit Urteilen über andere zurückhaltend sein. Wie sollte man sich verhalten, wenn Kritik in einen persönlichen Angriff umschlägt? Vor allem Kritik an Leitern kann zu einer rein persönlichen Angelegenheit oder sogar zu Rufmord entarten. Dann steht nicht mehr das Vorgehen der betroffenen Personen im Vordergrund, sondern sie selbst sind zur Zielscheibe geworden. Folgendes ist in solchen Fällen zu beachten: 1. Vergelten Sie nicht Gleiches mit Gleichem.
2. Lassen Sie Ihre Reaktionen nicht von Ihren Gefühlen bestimmen, damit nicht Wut oder Verletzungen die Oberhand gewinnen. 3. Lassen Sie sich bei einer Trennung nicht zur zentralen Figur machen. 4. Lassen Sie sich nicht für Angriffe gegen andere benutzen. |