Hand in Hand - Internationaler christlicher Lehr- und Hilfsdienst
Prophetien

Gott in tiefer Weise begegnen 

Kapitel 2: Der Weg zu wahrer Nähe
Von Jim Goll

An der Brust Jesu lehnen
Wenn wir vertraut werden wollen, dann müssen wir es lernen, still zu sein
Ruhe ist eine große Herausforderung, doch sie bringt auch große Belohnungen
Die zwei großen Hindernisse
Nachsinnen über das Wort - ein Mittel, um zur Ruhe zu kommen
Wir müssen bereit sein, Ablenkungen zu begegnen
Manchmal wollen wir durch äußerliche Ablenkung vor unserem inneren Aufgewühltsein davonlaufen
Zuerst mag es aussehen wie Zeitverschwendung
Was sollen wir tun?
Manchmal müssen wir aggressiver vorgehen
Wir müssen die Initiative ergreifen
Praktische Schritte, um den Sinn Christi zu erlangen
Die Belohnung ist der Mühe wert
Mit Gott im Einklang
Fragen

Stell dir einmal vor wie es gewesen sein muss, Jesus als Mensch gekannt zu haben, so wie die Jünger ihn kannten, die mit ihm gingen, redeten und ihn täglich sahen. Wie haben sie sich wohl gefühlt, als er den blinden Mann heilte, in dem er einen Teig aus Erde und Speichel machte oder wie war es, als er durch eine sanfte Berührung den Aussätzigen gesund machte und den Toten mit einem Wort befahl aufzustehen? Wie es wohl gewesen ist, mit Ihm tagein tagaus zu leben, Ihn voller Kraft, aber auch todmüde zu sehen, voll Freude im Heiligen Geist, aber auch betrübt über die Ablehnung und den Unglauben derselben Menschen, die Er retten wollte? Welch ein Gefühl war es, zu Seinen Füßen zu sitzen und den größten Wahrheiten und Weisheiten zu lauschen, die jemals durch einen Menschen ausgesprochen wurden? Wie war es, mit Ihm bei Tisch zu liegen und dabei zu sein als Er sagte: "Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird... Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird" (Lukas 22, 19 u. 20)? Wie war es, Ihn zu lieben - und Ihn dann sterben zu sehen?

An der Brust Jesu lehnen

Es gab nur wenige Menschen, die das Privileg hatten, in solch einer persönlichen und intimen Gemeinschaft mit Jesus zu leben. Johannes war einer von ihnen. Dieser "geliebte" Apostel gehörte mit Jakobus und Simon Petrus zum "inneren Kreis" der engsten Freunde Jesu. Johannes weist in seinem Evangelium und seinen Briefen auf die enge Beziehung hin, die er zu Jesus hatte. Er schreibt, dass während des Abendmahls "einer von seinen Jüngern, den Jesus liebte" zu Tisch an der Brust Jesu lag (Johannes 13,23). Bibellehrer stimmen im allgemeinen darin überein, dass Johannes damit sich selbst meinte. "An seiner Brust zu liegen" ist die schöne Beschreibung einer engen Freundschaft und Gemeinschaft! Vier weitere Male bezeichnet Johannes sich in seinem Evangelium als den "Jünger den Jesus liebte" (Johannes 19,26; 20,2; 21,7 u. 20).

Bereits zu Beginn seines ersten Briefes stellt Johannes heraus, dass er Jesus persönlich kannte.

1. Johannes 1,1 u. 3

Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens..., was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

Das sind die Worte eines Mannes, der eine sehr persönliche und vertraute Beziehung zu Jesus hatte. Johannes spricht von Jesus, als einem Mann, den er mit eigenen Ohren gehört, mit eigenen Augen gesehen und mit den eigenen Händen berührt hatte. Deshalb erfreute sich Johannes an der Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus und wünschte sich, dass auch seine Leser (uns eingeschlossen) dieselbe Gemeinschaft mit ihm haben!

Wie erfreuen wir uns an dieser engen Gemeinschaft mit Jesus, der nicht länger körperlich anwesend ist oder mit dem Vater, der Geist ist? Als Kinder Gottes haben wir durch und im Heiligen Geist, der mit unserem Geist kommuniziert, Gemeinschaft mit dem Vater und mit Jesus. Ein Teil der Aufgabe des Heiligen Geistes besteht darin, uns in eine enge Beziehung zu Christus zu bringen. Damit dies geschehen kann müssen wir es lernen, zuerst unseren Geist und unser Inneres zur Ruhe zu bringen.

Wenn wir vertraut werden wollen, dann müssen wir es lernen, still zu sein

Wir können es nie völlig erfassen was es bedeutet, ein enger Vertrauter Gottes zu sein, wenn wir es nicht lernen, ihm in der Ruhe des Geistes, des Verstandes und des Körpers zu begegnen. Stille ist eine absolute Voraussetzung, um eine tiefe, liebevolle Gemeinschaft mit dem Herrn erleben zu können. Der Psalmist David schrieb: "Nur auf Gott vertraut still meine Seele..." (Psalm 62,2). Der Prophet Habakuk erklärt: "Der Herr aber ist in seinem heiligen Palast. Schweige vor ihm, ganze Erde!" (Habakuk 2,20). Als Elia den Rat Gottes erwartet, hörte er den Herrn nicht im Wind, nicht im Erdbeben oder im Feuer, sondern im "Ton des leisen Wehens" (1. Könige 19,12). In Psalm 46 ruft der Herr uns auf: "Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!" (Psalm 46,11, Luther).

Dieses "Erkennen" ist weit mehr als bloßes informatives Wissen. Das hebräische Wort yada wird für viele verschiedene Formen der Erkenntnis gebraucht und schließt die Beschreibung einer sehr engen Beziehung mit ein. Dasselbe Wort wird auch gebraucht, wenn es heißt: "Und Adam erkannte sein Weib Eva" (1. Mose 4,1, Luther). Gott in diesem Sinne zu "kennen" bedeutet, dass sein Geist uns erfüllt, sein Atem uns inspiriert und sein Herz uns gestärkt hat. Gott "kennen" bedeutet, dass wir lebendig geworden sind durch die Person Jesu Christi, unseren Herrn. Gott sehnt sich nach einer solchen Nähe mit uns, doch damit das geschehen kann, muss unser Geist ruhig werden.

Leider werden wir in unserer Gesellschaft weder dazu ermutigt noch darauf vorbereitet ruhig zu sein. Täglich sind wir von lärmenden Stimmen umgeben - guten und bösen - die ständig unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen. Wenn wir nicht wissen wie wir hören sollen, dann kann das "leise Wehen" der Stimme Gottes einfach im Getöse untergehen.

Ruhe ist weder eine neue Entdeckung noch eine jüngste Neuerung. Es ist nicht einmal die neue Ausrichtung einer alten Entdeckung. Ruhe ist eine althergebrachte, anerkannte Methode des Gebets und der Gemeinschaft mit Gott, die nahezu völlig von den Christen der Neuzeit vernachlässigt wird. Bei dem Versuch, echte Gemeinschaft mit Gott zu erleben, ist es für uns eine der größten Herausforderungen zu lernen, wie wir vor dem Herrn zur Ruhe kommen.

Ruhe ist eine große Herausforderung, doch sie bringt auch große Belohnungen

Mark und Patti Virkler betonen in ihrem starken Buch "Gemeinschaft mit Gott" sowohl die Wichtigkeit der Ruhe als auch die Herausforderung sie zu erlangen, wenn wir Gemeinschaft mit Gott haben wollen.

Bevor wir Gemeinschaft mit Gott haben können, müssen wir still werden. Habakuk trat auf seinen Posten (Habakuk 2,1). Jesus suchte am frühen Morgen, als es noch dunkel war, einen einsamen Ort zum beten auf (Markus 1,35) und nach einem Tag des Dienens ging er auf einen Berg, um zu beten.

Wenn wir in unserem Inneren mit Gott vertraulich werden wollen, müssen wir zunächst die äußerlichen Ablenkungen beseitigen. Wir müssen einen Ort aufsuchen an dem wir allein und ungestört sind, damit wir in die Mitte unseres Herzens vordringen können, ohne von äußerlichen Dingen abgelenkt zu werden.

Danach müssen wir es lernen, unser Inneres und all die Stimmen und Gedanken, die in uns sind und ihre Aufmerksamkeit verlangen, zur Ruhe zu bringen. Solange sie nicht still sind, werden wir in den meisten Fällen seine Stimme nicht hören.

Die zwei großen Hindernisse

Bei unserem Versuch, mit Gott Gemeinschaft zu haben, begegnen wir zwei hauptsächlichen Hindernissen: äußerliche Ablenkung und innere Unruhe. Das erste betrifft Störungen und Unterbrechungen, die durch Umstände hervorgerufen werden, während das zweite Hindernis ein Kampf ist, der in unseren Gedanken stattfindet. Keines der beiden wird einfach so oder durch Zufall verschwinden. Wir müssen sie durch standhafte Festlegung und bewusste Handlung beseitigen.

Ich habe festgestellt, dass wir von äußerlichen Ablenkungen frei sein müssen, um "in die Mitte unseres Herzens vorzudringen". Dieses "vordringen ins Zentrum" (centering) kommt kirchengeschichtlich von den Quäkern. Es ist eine Wahrheit, die sie über Generationen praktizieren und die ein Hauptteil ihrer Theologie ist. "Ins Zentrum vordringen" bedeutet im wesentlichen, dass wir inmitten eines Sturms in unserer Seele das Zentrum der Ruhe wahrnehmen - ähnlich wie bei einem Wirbelsturm - und uns auf dieses Zentrum konzentrieren bis die uns umgebende Unruhe abnimmt. Auch wenn es in unserer Seele stürmisch und turbulent zu geht, gibt es doch einen ruhigen Ort im Zentrum wo Gottes Frieden regiert und sein Königreich offenbar ist.

In diesem Zentrum der Ruhe können wir mit Gott aufrichtige und enge Gemeinschaft haben. Ruhe für den Geist zu erlangen ist das Mittel zum Zweck und nicht der Zweck an sich. Ich möchte noch einmal meine Freunde, das Ehepaar Virkler, zitieren:

Stille ist nicht ein Ziel in sich. Ich möchte still werden, damit mein Herz erkennen und fühlen kann wie Gott es anrührt. Gott berührt uns in sanfter Weise, und solange ich nicht innerlich und äußerlich zur Ruhe gekommen bin, werde ich seine inneren Eindrücke nicht wahrnehmen.

Ich versuche gar nichts zu tun, um still zu werden. Ich möchte einfach nur mit dem göttlichen Liebhaber in Berührung kommen. Ich bin auf diesen Augenblick ausgerichtet und erlebe ihn darin.

Still zu werden funktioniert nicht in Eile und Druck. Vielmehr müssen wir es einfach zulassen. Ab einem bestimmten Punkt über-nimmt Gott das Geschehen und du spürst den Strom seines Wirkens in dir. Seine spontanen Eindrücke fangen an zu leben. Er spricht zu dir und gibt dir Weisheit und Stärke. Du weißt, das du "im Geist" bist (siehe Offenbarung 1,10).

Für die meisten von uns ist dieses Zentrum der Ruhe nicht leicht zu finden. Obwohl man "weder Eile noch Druck" anwenden kann und "es einfach zugelassen" werden muss, wird es doch nicht automatisch passieren. Wir müssen diese Ruhe bewusst begehren, überlegt planen und sorgfältig verfolgen. Die Erfolgserlebnisse werden all die Zeit, Kraft, Anstrengungen und strenge Selbstdisziplin, die erforderlich ist, rechtfertigen. Wir werden im Frieden der Gegenwart des Herrn sein.

David fasst dieses Geschehen sehr gut zusammen, wenn er schreibt: "Sei still dem Herrn und warte geduldig auf ihn!... Ärgere und sorge dich nicht!... Aber die sich selbst vor dem Herrn demütigen, werden jeden Segen bekommen und wundervollen Frieden haben" (übersetzt aus dem Englischen, nach Psalm 37,7-8 u.11).

Diese Art des besinnlichen Wartens auf Gott ist nur eine von vielen rechtmäßigen Möglichkeiten des Betens. Auch wenn es keine "schnelle Lösung" all unserer Probleme bringt, ist es eine kraftvolle, wenn auch schmerzlich vernachlässigte Waffe in Gottes Arsenal, die uns helfen kann, seinen sicheren Weg durch den Irrgarten des Lebens zu finden.

Nachsinnen über das Wort - ein Mittel, um zur Ruhe zu kommen

Eine sehr hilfreiche Praxis, um zu lernen vor dem Herrn zur Ruhe zu kommen, ist das Nachsinnen über eine Schriftstelle. Bitte verstehe mich nicht falsch. Ich rede nicht von fernöstlichen New-Age-Methoden, um unseren Verstand zu leeren, sondern davon, sich gezielt auf einen Teil des Wortes Gottes zu konzentrieren. Wir sollen keine leeren Hohlköpfe werden, sondern Christi Verstand haben. Während unsere Gedanken beim Wort Gottes verweilen, wird der Heilige Geist, der die Schrift lebendig macht, das Wort in unseren Herzen auslegen und unseren Geist mit Ihm in Einklang bringen. Gottes Wort ist lebendig und aktiv, und nachsinnen über dieses Wort kann uns in den Bereich des Geistes hinein führen.

Madame Jeanne Guyon (1648-1717) gibt uns einen Weisen Einblick in diesen Vorgang. Sie war eine französische christliche Mystikerin und verbrachte wegen ihres Glaubens die meiste Zeit ihres Lebens im Gefängnis. Noch heute werden Leser durch ihre erbaulichen Schriften dazu gedrängt, eine lebendige Erfahrung mit Jesus Christus zu machen. Eines ihrer meist gelesenen Bücher ist "Experiencing the Depths of the Lord Jesus Christ" (Erfahre die Tiefen des Herrn Jesus Christus), das Wachtman Nee, John Wesley, Hudson Taylor und viele andere in großem Maße beeinflusst hat.

Wenn wir den "Herrn ergreifen", lernen wir ihn in einer völlig anderen Weise kennen. Ich sollte an dieser Stelle vielleicht auf das größte Hindernis aufmerksam machen, das auftreten wird, wenn du auf den Herrn wartest. Es hat etwas mit deinen Gedanken zu tun. Sie haben die starke Neigung vom Herrn abzuschweifen. Wenn wir den Herrn suchen, in seiner Gegenwart verweilen, ihn "ergreifen", sollten wir die Schrift gebrauchen, um unsere Gedanken zur Ruhe zu bringen.

Das Verfahren ist sehr einfach. Lese zunächst einen Abschnitt aus der Schrift. Sobald du die Gegenwart des Herrn spürst, ist die eigentliche Aussage des Wortes nicht länger von Bedeutung. Das Wort hat seinen Zweck erfüllt: Es hat deine Gedanken zur Ruhe und dich zu ihm gebracht.

Das Nachsinnen über das Wort ist etwas anderes, als es einfach nur zu lesen. Beim Nachsinnen konzentrieren wir uns meistens auf einen oder zwei Verse, manchmal nur auf einen Teil eines Verses, einen einzelnen Satz oder sogar nur auf ein oder zwei Worte. Wir denken über diese Worte nach, beschäftigen uns mit ihnen, reflektieren sie und bewegen sie in unseren Gedanken, sie von allen Seiten betrachtend. Während wir uns mit der Schrift beschäftigen, wird der Heilige Geist das lebendige Wort Gottes dazu gebrauchen, uns in die Gegenwart Gottes zu bringen (Mehr über das Thema des christlich meditativen Gebetes im siebten Kapitel).

Es geht Madame Guyon in der Hauptsache darum, zu zeigen, dass es beim Nachsinnen über die Schrift zu aller erst darum geht, dass wir zu unserem Geliebten kommen. Wir haben meistens die Tendenz, die Bibel zu mechanisch oder technisch zu lesen. Wir konzentrieren uns auf das Studieren der Schrift, zerlegen und analysieren die Verse, formulieren Theologien und Lehren und andere Aussagen. All das ist gut und richtig, aber wenn das alles ist, verpassen wir das Wesentliche: Wir werden an der Person vorbeigehen! Wir wollen nicht so sein wie die religiösen Führer, zu denen Jesus sagte: "Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt" (Johannes 5,39-40). Für uns Christen ist das Studium der Bibel sehr wichtig, doch am Ende nützt es wenig, wenn es nicht zu einer persönlichen Begegnung mit dem göttlichen Autor führt. Vergiss nicht, wir wollen weniger von uns und mehr von ihm!

Wir müssen bereit sein, Ablenkungen zu begegnen

Jeder, der jemals versucht hat, ein aktives und andauerndes Gebetsleben zu entwickeln, wird sich mit inneren und äußeren Ablenkungen auseinander setzen müssen. Es ist erstaunlich wie schnell Störungen oder familiäre "Krisen" jeder Art auftauchen, wenn wir uns allein an einen stillen Ort zum Gebet zurückziehen wollen. Unzählige abschweifende Gedanken tauchen auf und viele davon aus dem Abseits, bei denen man sich fragt: "Wo, um alles in der Welt, kommt das nun wieder her?" Da sind wir nun: Wir bemühen uns, Gott zu suchen und unsere Gedanken oder Umstände versuchen unentwegt unsere Aufmerksamkeit zu stehlen. Viele Christen werden dabei durch ihr ständiges Versagen so entmutigt, dass sie es aufgeben, in ein konzentriertes Gebet hinein zu kommen. Sie verlieren jede Hoffnung, Gott nahe zu kommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich solche Gedanken niemals beeinträchtigen, wenn ich die Zeitung oder eine Zeitschrift lese. Wenn ich jedoch das Wort Gottes lese, tauchen sie mit Sicherheit auf! Es sieht so aus als ob etwas oder jemand (der Teufel) sich bedroht fühlt!

Wenn wir es ernst meinen damit, dem Herrn nahe zu sein, werden wir uns mit dem Problem der Ablenkung beschäftigen müssen. Auch in dieser Beziehung gibt uns Madame Guyon einen weisen Rat.

Wie sieht es mit Ablenkungen aus? Sagen wir einmal deine Gedanken wandern ab. Wenn du in tiefer Weise vom Geist des Herrn berührt wurdest und plötzlich abgelenkt wirst, sorge gewissenhaft dafür, deine abschweifenden Gedanken zum Herrn zurückzubringen. Das ist der einfachste Weg, äußerliche Ablenkungen zu überwinden.

Wenn deine Gedanken abschweifen, versuche nicht an etwas anderes zu denken, um dem zu begegnen. Sobald du deine Aufmerksamkeit auf diese Gedanken lenkst, wird dein Verstand irritiert und du wirst noch unruhiger werden. Halte diese Gedanken fern von dir, in dem du in die Gegenwart des Herrn zurückkehrst. So wirst du den Sieg im Kampf über diese abschweifenden Gedanken erringen, ohne dass du wirklich in die Schlacht verwickelt wirst.

Ich versichere dir, je mehr deine Seele damit vertraut wird, sich von den inneren Dingen fernzuhalten, desto leichter wird es für dich. Es gibt zwei Gründe dafür, dass es leichter für dich werden wird, deine Gedanken unter den Gehorsam des Herrn zu bringen: Zu aller erst wird dein Verstand - nach viel Übung - in der Tiefe umgeformt und diese neue Gewohnheit annehmen, und zweitens haben wir einen gnädigen Herrn!

Viele von uns wurden gelehrt, umherschweifende Gedanken während des Gebets im Namen Jesu zurückzuweisen. Dies ist eine wertvolle und effektive Methode, doch sie hat einen Nachteil. Sobald wir uns mit einem eigensinnigen Gedanken beschäftigen, taucht schon der nächste auf, dann der übernächste und so weiter. Bevor wir es bemerken, verwenden wir unsere Zeit nur noch darauf, unsere Gedanken zurückzuweisen. Madam Guyon sagt, dass wir diesen Kampf in Wirklichkeit nicht dadurch gewinnen werden, dass wir uns um den Teufel kümmern, sondern dass wir unseren "Blick auf Jesus richten". Das bedeutet nicht, dass wir den Teufel nicht beachten. Wir kümmern uns um ihn, in dem wir auf Jesus sehen, weil Jesus die Antwort und das Gegenmittel für den Teufel ist. Auf Jesus sehen besiegt den Teufel, weil es uns hilft, die Ablenkungen zu ignorieren und in die heilige Gegenwart Jesu "vorzudringen".

Manchmal wollen wir durch äußerliche Ablenkung vor unserem inneren Aufgewühltsein davonlaufen

Wir können äußerliche Ablenkung dadurch auf ein Minimum reduzieren, dass wir uns Zeit nehmen, einen stillen Ort aufzusuchen, wo wir den Herrn suchen. Einen Ort ohne Telefon, Fernseher, Computer und andere Fallen des modernen Lebens. Bedauerlicherweise reicht das allein jedoch noch nicht aus. Auch wenn wir die äußeren Stimmen zur Ruhe gebracht haben, so bleibt immer noch die Ruhelosigkeit in unserem Verstand. Wenn es etwas gibt, das uns offenbart wie chaotisch und undiszipliniert unsere Gedanken sein können, dann ist es der Versuch, die Kunst des Alleinseins (mit Gott) zu entwickeln.

Henri Nouwen (1932-1996), ein katholischer Priester und Psychologe, bringt uns einige hilfreiche Einsichten zu diesem Thema. Der in Holland geborene Nouwen wanderte 1964 in die USA aus. Er lehrte an diversen Universitäten und ist Autor einiger Bücher, u.a. auch "Making All Things New", aus dem die folgenden Zeilen entnommen sind.

Allein zu sein ist eines der wichtigsten, aber auch schwierigsten Dinge, die wir zu lernen haben. Selbst, wenn wir ein tiefes Verlangen danach haben, allein zu sein, erleben wir, sobald wir uns an einen einsamen Ort zurückgezogen haben, eine gewisse Besorgnis. Sobald wir allein sind, ohne mit Menschen zu reden, ein Buch zu lesen, Fernsehen zu gucken oder zu telefonieren, erwacht in uns das Chaos.

Dieses Chaos kann so störend und verwirrend sein, dass wir es kaum erwarten können, wieder etwas zu tun. Sich in ein Zimmer zurückzuziehen und die Tür zu verschließen bedeutet deshalb noch nicht, dass wir damit auch unsere inneren Zweifel, Beklemmungen, Ängste, bösen Erinnerungen, ungelösten Konflikte, zornige Gefühle und impulsiven Leidenschaften sofort zum Schweigen bringen. Andererseits ist es so, dass wir feststellen müssen, dass die äußeren Ablenkungen sich bei dem Versuch, sie auszuschalten, oft erst recht in vollem Maße zu Wort melden.

Wir benutzen diese äußerlichen Ablenkungen häufig, um uns gegen den inneren Lärm zu schützen. Deshalb ist es nicht überraschend, dass es uns schwer fällt, allein zu sein. Die Konfrontation mit unseren inneren Konflikten ist zu schmerzhaft, um sie auszuhalten.

Dies alles zeigt wie wichtig es ist, allein zu sein! Alleinsein ist nicht eine spontane Aktion als Antwort auf ein beschäftigtes und zwanghaftes Leben. Es gibt zu viele Gründe, um nicht allein zu sein. Deshalb müssen wir Alleinsein sorgfältig planen.

Als ich diesen Text das erste Mal gelesen habe, fühlte ich mich so erleichtert, weil ich jemanden gefunden hatte, der die gleichen Erfahrungen gemacht hatte wie ich! Ich war nicht der Einzige! Wenn wir ehrlich sind, kennen die meisten von uns wahrscheinlich dieses Gefühl. Es ist nicht einfach, allein und ruhig zu sein. Denn genau in dieser Situation beginnt unser Verstand zu rasen und alle möglichen Gedanken unseres geschäftigen Lebens, die wir unterdrückt oder nieder gehalten haben, kommen lautstark an die Oberfläche. Aus diesen und anderen Gründen werden die wenigsten unter uns die Kunst des Alleinseins auf natürliche Weise erlernen. Wir müssen diese Zeit vielmehr, wie Nouwen es ausdrückt, sorgfältig und bewusst planen.

Zuerst mag es aussehen wie Zeitverschwendung

Ausgehend von den eben genannten Gedanken, sollten wir nicht entmutigt sein, wenn wir bei unserem ersten Versuch nicht in die vollkommene Ruhe des Geistes gelangen. Dazu noch einmal Henry Nouwen:

Wenn wir uns erst einmal dazu entschlossen haben, einige Zeit allein zu sein, werden wir es lernen, aufmerksam auf die Stimme Gottes in uns zu hören. In den ersten Tagen, Wochen oder auch Monaten kann es sein, dass wir meinen, dass alles sei Zeitverschwendung. Diese Zeit der Ruhe scheint am Anfang mehr eine Zeit zu sein, in der wir mit tausenden Gedanken bombardiert werden und mit Gefühlen, die aus den verborgenen Bereichen unseres Verstandes aufsteigen.

Einer der frühen christlichen Schriftsteller beschreibt die erste Stufe des zurückgezogenen Gebets als die Erfahrung eines Mannes, der nach Jahren eines Lebens mit offenen Türen, plötzlich beschließt, die Türen zu schließen. Die Menschen, die ihn all die Jahre besuchten, klopfen an die Tür und wundern sich, warum sie nicht hereinkommen dürfen. Erst nachdem sie feststellen, dass sie nicht willkommen sind, geben sie es allmählich auf, ihn zu besuchen.

Diese Erfahrung wird jeder machen, der sich dazu entschließt nach einem Leben mit wenig geistlicher Disziplin, den Schritt in die Einsamkeit zu gehen. Zunächst werden die vielen Ablenkungen präsent sein. Später, wenn sie immer weniger Beachtung finden, werden sie langsam verschwinden.

Die Disziplin des Alleinseins erlaubt es uns, mit der hoffnungsvollen Gegenwart Gottes in unserem Leben in Berührung zu kommen. Sie erlaubt es uns, schon jetzt die beginnenden Freuden und den Frieden des neuen Himmels und der neuen Erde zu schmecken.

Das Alleinsein, wie ich es hier beschreibe, ist eine der kraftvollsten Disziplinen, um ein Gebetsleben zu entwickeln. Es ist ein einfacher, aber nicht leichter Weg, von der Sklaverei unserer Beschäftigung und Zwänge frei zu werden und die Stimme zu hören, die alle Dinge neu macht.

Abschweifende und ungebetene Gedanken können aus den unterschiedlichsten Richtungen kommen. Plötzlich fallen uns Dinge ein, die wir noch erledigen und Anrufe, die wir noch tätigen müssen. Manchmal dringen diese Gedanken von außen in unsere "Zeit der Stille" ein, manchmal kommen sie vom Feind, der versucht unsere Gemeinschaft zu zerstören und manchmal kommen sie von Gott selbst, der unsere Aufmerksamkeit erlangen will.

Was sollen wir tun?

Die Frage ist wie wir mit diesen Gedanken, wo immer sie auch her-kommen, umgehen? Das Buch "Gemeinschaft mit Gott" gibt uns wiederum einige sehr praktische Ratschläge dazu wie wir lautstarke innere Stimmen, Gedanken und Bedrängnisse beseitigen können.

  • Dinge, die wir noch erledigen müssen.

Schreibe sie auf, damit du sie nicht vergisst.

  • Sünden, die uns einfallen.

Bekenne deine Sünde und bekleide dich mit dem Mantel der Gerechtigkeit.

  • Flatternde Gedanken.

Richte deinen Blick auf deine Gemeinschaft mit Jesus

  • Mehr Zeit für Gemeinschaft, wenn dein Verstand gelassen und ruhig ist.

Finde heraus, welche Dinge du automatisch tust (z.B. Auto fahren, baden, trainieren, Routinearbeiten usw.). Diese sind ideale Zeiten, um von Gott zu hören.

Dabei ist es nicht wichtig an welchem Punkt deines christlichen Lebenswandels du dich gerade befindest, sondern dass du entschlossen bist, größere Reife und tiefere Nähe zu erlangen. Lass dich nicht durch andere Christen entmutigen, die scheinbar weiter sind als du. Wir sollten unser geistliches Leben niemals miteinander vergleichen. Mit dieser Masche versucht der Teufel nur uns herunter zu ziehen. Jesus Christus allein ist unser Maßstab. Er wird uns weder schelten noch heruntermachen, sondern uns lieben und geduldig in eine tiefere und engere Beziehung mit ihm leiten. Der Heilige Geist wird uns dabei helfen, das göttliche Leben in uns zu finden.

Du darfst niemals zu der Überzeugung gelangen, dass es Zeitverschwendung ist, auf Gott zu warten. Warten auf Gott ist keine verschwendete, sondern gewonnene Zeit! Warten auf Gott ist eine weise und gewinnbringende Investition, die nach gewisser Zeit eine reiche Ernte für dein Leben bringen wird.

Manchmal müssen wir aggressiver vorgehen

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht ausreicht, passiv in die Ruhe Gottes einzutreten. Der menschliche Verstand kann wie ein sturer Esel sein, der nicht bereit ist, sich ohne Kampf zu fügen. Manchmal ist es nötig aggressiver vorzugehen.

In der Schule war ich zum Teil deshalb ein guter Schüler, weil ich meine eigenen Lernmethoden entwickelte. Eine davon war, meine Notizen auf Tonband aufzunehmen, (das war in der Zeit, bevor es Kassettenrecorder gab!) um sie am Abend, wenn ich zu Bett ging anzuhören. Im Ergebnis kannte ich meine Aufzeichnungen total und schnitt in der Klasse sehr gut ab. Eine weitere Folge davon war, dass ich ein sogenanntes "Tonbandgehirn" entwickelte. Ich konnte mich nicht nur an alles, was ich in der Schule gehört hatte sehr gut erinnern, sondern auch an andere Dinge wie z.B. Fernsehshows, Filme usw. An alles Hörbare konnte ich mich sehr detailliert und mit großer Genauigkeit erinnern. Das war für mich über viele Jahre hinweg ein Aktivposten.

Doch es gab leider einen Nachteil. Mein "Tonbandgehirn" führte dazu, dass mein Verstand immer aktiv war. Ich konnte nicht abschalten. Es schien so, als hätte mein mentales Tonbandgerät keinen Knopf zum ausschalten. Nachts lag ich stundenlang im Bett und wiederholte und analysierte die Gespräche des vergangenen Tages. Ich wusste nicht wie ich meinen Verstand oder meinen Geist zur Ruhe bringen sollte. Durch diese Eigenart meines Denkens bekam ich anfangs große Probleme als ich versuchte, in die Ruhe des Herrn zu gelangen und mit ihm im kontemplativen (betrachtenden) Gebet eine tiefe Gemeinschaft zu pflegen. Es war ein großer Kampf für mich, weil ich einfach nicht wusste wie ich es anstellen sollte. Ein immer aktiver Verstand steht zusammen mit anderen Dingen einer Gemeinschaft mit Gott entgegen. Es ist schwierig, die Stimme Gottes zu hören, wenn du unentwegt deine eigenen Gedanken wahrnimmst.

Nach langer Zeit und durch die Gnade und Kraft Gottes habe ich es schließlich gelernt, meinen Verstand zu beherrschen und still vor ihm zu warten. Während dieser Zeit habe ich auch gelernt, dass es manchmal nötig ist, mit einer offensiven und aggressiven Einstellung um die Kontrolle des Verstandes zu kämpfen.

Eine der bevorzugten Schriftstellen für Fürbitter und andere Gläubige, die im geistlichen Kampf stehen, finden wir bei Paulus im zweiten Korintherbrief:

2. Korinther 10,4-5

Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi.

Über diese Verse wird meist im Zusammenhang mit der geistlichen Kampfführung gegen die Mächte und Gewalten gelehrt. Ich habe vor Jahren gelernt, sie auch im Kampf gegen Festungen in meinem Verstand anzuwenden. Nach meiner Erfahrung enthalten diese Verse zunächst einmal das Prinzip, jeden Gedanken und jede Handlung des Verstandes unter den Gehorsam Christi zu bringen. Ich habe die geistlichen Waffen des Namens und Blutes Jesu gegen die Festungen meines eigenen Denkens angewandt und sie so zerstört. Ich musste diese Lektion lernen, bevor ich in der Lage war, die Lehre über Kontemplation (Betrachtung) und die Ruhe des Herrn, wie Madame Guyon und Henry Nouwen sie beschreiben, in meinem Leben anzuwenden.

Wir müssen die Initiative ergreifen

Beim Lesen von 2. Korinther 10.4-5 habe ich in Bezug auf die Aussage "nehmen jeden Gedanken gefangen" ein bestimmtes Bild vor Augen. Diese Festung oder Burg ist wie eine altertümliche Mauer, die unsere Gedanken umgibt. Sie machen unsere Grundhaltung deutlich, insbesondere unsere negative und von Niederlagen gezeichnete Art des Denkens, die uns nach unten zieht. Die Argumente oder "Vernünfteleien" sind wie die Wachen auf der Mauer menschlicher Gedankengänge, während die Höhen - die Türme auf der Mauer - den menschlichen Stolz verkörpern. Die Gedanken schließlich, sind einzelne Soldaten, die mit den Waffen der Beeinflussung (Suggestion) ausgerüstet sind.

Diese Gegner werden nicht ohne Kampf verschwinden. Wir müssen die Initiative ergreifen, offensiv vorgehen und die Tore unserer gedanklichen Festungen erstürmen. Dabei gebrauchen wir als "Rammbock" den Namen Jesus, das Blut Jesu (siehe Offenbarung 12,11) und das geschriebene und gesprochene Wort Gottes (siehe Matthäus 4,3-10). Damit überwinden wir und "nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi".

Ich sage nicht, dass es einfach ist, aber mit Geduld, Ausdauer, Disziplin und der Kraft des Heiligen Geistes können wir nach einiger Zeit die Grundmauern und alten Muster unseres Denkens zerstören und ein neues Fundament legen. Darauf können wir die neuen Gedanken- und Verhaltensmuster aufbauen, die wir als neue Schöpfung in Christus entwickeln. Ich glaube, dass der Apostel genau das im Sinn hatte als er schrieb: "Werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes" (Römer12,2) und "legt nun von euch ab nach dem vorigen Wandel den alten Menschen... erneuert euch aber im Geist eures Gemüts und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Epheser 4,22-24, Luther).

Praktische Schritte, um den Sinn Christi zu erlangen

Im Philipperbrief Kapitel 4 schreibt Paulus: "Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!" (Philipper 4,8). Das ist ein Bestandteil davon, "den Sinn Christi zu haben" (1. Korinther 2,16). Bevor diese Aufforderung in uns Realität wird, müssen wir unsere Gedanken reinigen. Dies geschieht nicht über Nacht, aber es ist ein Teil unserer Bestimmung als Christen.

Es gibt einige praktische Schritte, die uns helfen können, den Sinn Christi zu erlangen:

  • Bekennen
    Wir müssen unsere Sünden aktuell bekennen. "Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit" (1.Johannes 1,9).

  • Vergeben
    Wir müssen jedem vergeben, der falsch an uns gehandelt hat. "Das Herz kennt sein eigenes Leid, und kein Fremder kann sich in seine Freude mischen" (Sprüche 14,10). Wenn wir uns auf den inneren Weg machen werden alte Wunden und Verletzungen auftauchen und gegen uns aussagen. Die Straße zu jeder Heilung, und erst recht zu einer tieferen Beziehung mit Gott, beginnt mit dem Weg der Vergebung.

  • Vergessen
    Ein wichtiger Teil der guten geistigen Verfassung eines Christen besteht aus der Kunst des Vergessens. "Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist, und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus" (Philipper 3,13-14). Zu vergessen bedeutet nicht, dass wir eine Art geistliche Amnesie (Vergess-lichkeit, Gedächtnisschwund) entwickeln und uns nicht länger an Schmerzen oder Verwundungen der Vergangenheit erinnern. Es bedeutet, dass durch die Gnade Gottes der uns schwächende Stachel des Schmerzes beseitigt wird, so dass wir weiter voran gehen können.

  • Beseitigen
    Es gibt weltliche Haltungen, Angewohnheiten und Praktiken, die wir aus unserem Leben beseitigen müssen, damit wir unseren Blick ausschließlich auf Jesus richten. "Lasst nun auch uns... die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus..." (Hebräer 12,1-2).

  • Kämpfen und widerstehen
    Manchmal müssen wir darum kämpfen, inneren Frieden und Gelassenheit zu bekommen. "Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi" (2.Korinther 10,4-5)

  • Aufbauen
    Wann immer wir das Negative zerstören, müssen wir an seiner Stelle etwas Positives aufbauen. "Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf eurem heiligsten Glauben, betet im Heiligen Geist, erhaltet euch in der Liebe Gottes, indem ihr die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben" (Judas 20-21). Beten im Geist, mit der Gabe des Sprachengebetes, war für mich über Jahre hinweg ein bedeutender und entscheidender Schlüssel. Für mich ist es nicht nur eine geistliche Disziplin, sondern ein Lebensstil.

  • Anziehen
    Wir müssen die neuen geistlichen Kleider anziehen, die Christus uns gegeben hat. "Zieht den Herrn Jesus Christus an..." (Römer 13,14). "Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an..." (Epheser 6,11). "Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut! Zu diesem allen aber zieht die Liebe an, die das Band der Vollkommenheit ist!" (Kolosser 3,12 u. 14).

Die Belohnung ist der Mühe wert

Zum guten Schluss: Wo führt das alles hin? Was wollen wir damit erreichen, wenn wir ruhig und still vor Gott werden? Es geht uns um nichts weniger als eine enge Gemeinschaft mit unserem liebenden Vater, Einheit mit Christus und Übereinstimmung unseres Geistes mit seinem Geist. Es ist eine Gemeinschaft vollkommener und bleibender Liebe.

Für Jean Nicholas Grou (1730-1803), einen Jesuitenpriester der in Holland und Frankreich lebte, begann im Jahre 1767 während einer Zeit des Gebetes eine tiefere Beziehung mit Gott. Dabei lernte er, sein Leben völlig an den Willen Gottes auszuliefern und in einem Geist des Gebets zu leben. In seinem Klassiker "How to Pray" (Wie wir beten sollen), beschreibt er in wunderschöner Weise diese innige Gemeinschaft.

Du fragst, was es mit dieser Stimme des Herzens auf sich hat. Die Liebe ist diese Stimme des Herzens. Wenn du Gott liebst, wirst du immer mit ihm reden. Der Same der Liebe wächst durch das Gebet. Wenn du das nicht verstehst, hast du bis jetzt weder geliebt noch gebetet. Bitte Gott, dass er dein Herz öffnet und einen Funken seiner Liebe darin entzündet, dann wirst du verstehen, was es heißt zu beten.

Wenn wir mit dem Herzen beten, ist es augenscheinlich so - und es ist sogar möglich, dass dies unaufhörlich geschieht -, dass das Herz aus sich selbst betet, ohne die Zuhilfenahme von gesprochenen oder erdachten Worten. Das ist etwas, das nur wenige Menschen verstehen und einige sogar in Frage stellen. Sie bestehen darauf, dass für das Gebet eine erklärte und äußerliche Handlung notwendig ist. Sie irren sich, und Gott hat sie noch nicht gelehrt wie das Herz betet. Es ist wahr, dass die Gedanken in unserem Verstand geordnet werden, bevor wir sie mit unserem Mund aussprechen. Das beweist schon die Tatsache, dass wir häufig nach den richtigen Worten suchen und eins nach dem anderen verwerfen, bis wir den richtigen Ausdruck gefunden haben, um unsere Gedanken genau wiederzugeben. Wir brauchen Worte, um uns mit anderen zu verständigen, doch der Geist braucht sie nicht. Genau so ist es mit den Gefühlen des Herzens. Das Herz empfängt Gefühle und macht sie sich zu eigen, ohne dabei auf Worte angewiesen zu sein; es sei denn, diese Gefühle sollen anderen vermittelt werden oder für uns selbst klarer ausgedrückt werden.

Gott kennt die Geheimnisse des Herzens. Gott kennt unsere tiefsten Gefühle, sogar die, denen wir uns selbst nicht bewusst sind. Wir müssen keine formalen Dinge tun, damit Gott uns hört. Wenn wir dennoch im Gebet darauf zurückgreifen, hilft es nicht Gott, sondern vielmehr uns, damit wir in seiner Gegenwart bleiben.

Stell dir vor wie es sein muss, wenn eine Seele so eng mit Gott verbunden ist, dass es nicht nötig ist, durch äußerliche Handlungen die innere Beteiligung am Gebet zu gewährleisten. In diesen Augenblicken der Ruhe und des Friedens, wenn die Seele dem, was in ihr abläuft, keine Beachtung schenken muss, kann sie andauernd beten, in ausgezeichneter Weise, durch ein einfaches direktes Gebet, das Gott durch Gnade ganz und gar verstehen wird.

Das Herz wird voller Verlangen nach Gott sein, ohne dass es einer klaren Äußerung bedarf. Auch wenn sie uns selbst nicht bewusst sind, werden sie doch das Bewusstsein Gottes erreichen.

Diese Art des Gebets, ganz ohne Bilder und Wahrnehmungen..., scheinbar passiv und doch so aktiv, ist - soweit es die Begrenzung unseres Lebens erlaubt - reine Anbetung im Geist und in der Wahrheit.

Es ist eine Anbetung, die vor Gott würdig ist, in der die Seele bis ins Tiefste mit ihm vereint ist, das Geschöpf mit dem Schöpfer. Anbetung, die in einer für den Verstand und Willen sehr einfachen Weise ausgedrückt wird. Das ist das Gebet der Stille und der Ruhe oder des einfachen Glaubens.

Mit Gott im Einklang

Das ist Nähe zu Gott - so mit ihm im Einklang zu sein, dass keine Worte oder Handlungen nötig sind. Einfach "reine Anbetung im Geist und in der Wahrheit" von unserem Geist zu seinem Geist.

Eine andere Bezeichnung für eine solche Gemeinschaft ist "kontemplatives (betrachtendes) Gebet". Weil es hier oberflächliche Gemeinsamkeiten in der okkulten Szene und der New-Age-Bewegung gibt, ist es enorm wichtig, dass wir ein kristallklares Verständnis davon haben, was "kontemplatives Gebet" ist und was es nicht ist. Damit werden wir uns im nächsten Kapitel auseinandersetzen. An dieser Stelle möchte ich nur sagen, dass es die Art von Gebet ist, an die Jesus dachte als er sagte: "Wenn du aber betest, so geh in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten" (Matthäus 6,6).

Denke daran, Zeit mit Gott ist keine Verschwendung, sondern Gewinn! Möchtest du den Weg, der zur Vertrautheit mit ihm führt weitergehen? Möchtest du tiefer in sein Herz vordringen? Vergiss nicht, er ist der Liebhaber deiner Seele!

Vater führe uns auf diesem vergessenen Weg. Bring du die in uns wütenden Stimmen zur Ruhe, die unsere Aufmerksamkeit erhalten wollen. Mach unsere Seele still, damit wir dich und deinen kostbaren Sohn, Jesus, erkennen können. Heiliger Geist, schreib in deiner Freiheit diese Gesetze in unser Herz. Herr, wir wollen dich besser kennenlernen! Lehre uns um deines Reiches willen, Amen!

Fragen

  1. Was verhindert eine größere Nähe zu Gott?

  2. Welche Hindernisse gibt es in deinem Leben, um mehr von Gottes Nähe zu erfahren?

  3. Welche Voraussetzungen müssen für wahre Gemeinschaft mit Gott erfüllt sein?

Empfohlene Literatur

"Leidenschaft für Jesus", Mike Bickle, Projektion J, 2001.

"Die Gott nachjagen", Tommy Tenney, Projektion J, 2001.

"Die Furcht des Herrn", Joy Dawson, JMEM, 1990.

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