Hand in Hand - Internationaler christlicher Lehr- und Hilfsdienst
Prophetien

Apostolische Leidenschaft
David Cannistraci  –  Kapitel 10

10. Falsche Apostel erkennen

Eine Gegenbewegung falscher Apostel
Was ist ein falscher Apostel ?
Die weitgesteckteren Probleme des falschen Dienstes

Die Dienstgaben des teuflischen Gegendienstes
Tage der Verführung
Kräfte, die tief im Innern eines falschen Apostels wirken
Apostel, Geld und Integrität
Falsche Apostel erkennen
Falsche Persönlichkeit
Falsche Praktiken
Falsche Verkündigung
Vier Grundsätze beim Umgang mit falschen Aposteln
Verständnis der apostolischen Autorität
Das ursprüngliche Modell der apostolischen Autorität
Die Quelle apostolischer Autorität
Die apostolische Demut
Vier Prinzipien der apostolischen Autorität
Vier Aspekte der apostolischen Autorität
Die apostolischen Funktionen bezüglich ihrer Autorität

Für die Apostel waren die Tage nach der Auferstehung Jesu einerseits von großer Freude, andererseits aber auch von Krisen geprägt. Keiner von ihnen hatte von ganzem Herzen erwartet, dass Jesus von den Toten auferstehen würde. Sie hatten Ihn davon reden hören, doch der Schmerz von Golgatha war so groß, dass sie am Ende ihre Hoffnungen völlig geknickt aufgaben. Wie sollte Jesus sich vom Kreuz und vom Grab wieder erholen können? Als sie erkannten, dass er auferstanden war, wurden ihre Herzen von unvorstellbarer Freude und Befreiung erfüllt. Als Jesus zum Vater himmelwärts empor fuhr, machten sie sich bereit, der Welt die Gute Nachricht zu überbringen.

Die Euphorie der Apostel über den auferstandenen Christus wurde aber bestimmt auch von den bleibenden Erinnerungen an den gefallenen Apostel Judas Ischkariot gedämpft. Dieser Mann, der zu den Jüngern gezählt worden war, hatte Christus kaltherzig in die Hände seiner Widersacher übergeben. Sofort danach bedauerte Judas seinen Fehler zutiefst.

Seine Schuld war unerträglich. Er erhängte sich und stürzte sich in einen blutigen Tod. Sein Selbstmord war so tragisch wie sein Verrat, und die Apostel hatten die schmerzlichen Erinnerungen an diese Szene noch frisch im Gedächtnis. Später, als sich die Apostel und Gläubigen im oberen Gemach in Jerusalem versammelten, spürte Petrus die Sorge, die ihnen allen anhing. Wie sollten sie ausharren und für die Ausgießung des Heiligen Geistes mit dieser Erinnerung in ihren Köpfen beten können? Sie wurden von nagenden Fragen geplagt: Wie haben sie sich so täuschen lassen können? War Judas schon immer eine doppelzüngige Person gewesen? Wenn ja, warum hatte ihn Jesus dann überhaupt ausgewählt? Wie war es möglich, dass ein Apostel abfallen kann? Sie versuchten, in ihren Köpfen Antwort auf diese Fragen zu bekommen.

Zudem hatte Jesus zwölf Apostel ausgewählt, doch seit dem Tod von Judas Ischkariot blieben nur noch elf übrig, um ihrer Berufung nachzukommen. Was sollten sie also tun?

Schließlich stand Petrus auf, um sich an die bedrückte Gruppe zu wenden. Er zitierte aus den Psalmen, die auf prophetische Weise die Strafe für die Sünde des Judas voraussagten: „Verödet sei ihr Lagerplatz, in ihren Zelten sei kein Bewohner!“ (Ps. 69,26); „Seiner Tage seien wenige, sein Amt empfange ein anderer“ (Ps.109,8). Gemäß dem Wort des Herrn legte sich ein Fluch auf Judas und er sollte nicht bedauert werden. Sein Amt sollte einem anderen übertragen werden.

Infolge dessen konnten die Apostel wieder vorwärts blicken. Das zwölfte Amt würde bestehen bleiben, und ein anderer sollte ausgewählt werden, um es zu besetzen. Er sollte sich als weiterer Zeuge der Auferstehung den Aposteln anschließen und die von Jesus bestimmte Zahl vervollständigen. Nach dem Gebet wurde Matthias ausgewählt, und für die Apostel begann wieder eine erfreuliche Zeit. Der Wind fing an zu wehen, das Feuer fiel und die Gemeinde atmete ihre ersten Züge.

Wir können uns dem Thema des wahren Apostels nicht nähern, wenn wir nicht auch das Tun eines falschen Apostels zugleich unter die Lupe nehmen. In diesem Kapitel werden wir folglich das Werk, die Lehre, die Taktiken und das Auftreten eines falschen Apostels betrachten und dafür eine Vielzahl an Schriftstellen heranziehen.

Eine Gegenbewegung falscher Apostel

Da die echte apostolische Bewegung eine ehrfürchtige und wahrhafte Ausgießung der Kraft Gottes auf die Erde sein wird, wird nicht zu verhindern sein, dass der Feind versucht, sie zu imitieren. Frank Damazio wies zu Recht darauf hin, dass „jede Generation ihren Anteil an heimtückischen Schwindlern haben wird, die zu wissen vorgeben, wie man Kirchen baut, doch die diese im Grunde schwächen“.1 Während echte apostolische Aktivitäten zunehmen, wird sich Satan bemühen, diese Bewegung mit einer Gegenbewegung von Betrügern zu infizieren, die beanspruchen, selbst Apostel zu sein, die jedoch tatsächlich nicht von Gott gesandt wurden. Die modernen Judas Ischkariots, die von böswilligen Mächten getrieben werden, versuchen, sich unter die wahren Apostel zu mischen um Zerstörung zu bringen.

Das Hauptziel Satans mit diesen falschen Aposteln wird dreifacher Art sein: das Wirken der Apostel und die apostolische Bewegung zu verwässern, zu beschmutzen und in Verruf zu bringen. Viele werden sich verführen lassen, echte Apostel zu verwerfen, da falsche Apostel unvermeidlich versagen werden. Kritiker des apostolischen Dienstes werden höchstwahrscheinlich auf die Probleme der falschen Apostel verweisen, um die Gültigkeit der apostolischen Aktivität unglaubwürdig zu machen. Dieser Versuch ist vielleicht die allergrößte Bedrohung für den Erfolg der apostolischen Bewegung.

Es ist also wichtig, die Gegenbewegung des Feindes auf die apostolische Bewegung gut vorbereitet zu erwarten und dann mit ihr gemäß der Schrift umzugehen. Die Kampflinien des apostolischen Dienstes werden gezogen werden - es geht um viel.

Kritiker der Apostel und der apostolischen Bewegung werden schnell auf die Extremhaltungen falscher Apostel verweisen und können so die gesamte apostolische Bewegung in Verruf bringen. Unterscheidungsfähige Menschen, die eine echte Bewegung Gottes mit reinem Herzen herbeisehnen, werden jedoch hinter diese Imitationen blicken und sich auf die Realität dessen konzentrieren, was Gott gerade wirklich tut. Aus diesem Blickwinkel ist es die Wahrheit, die wir benötigen. Ausgerüstet mit dem klaren Verständnis, das den Unterschied zwischen wahren und falschen Aposteln erkennt, werden wir in der Hitze des kommenden Konfliktes bestehen können, ohne selbst zu Opfern zu werden.

Was ist ein falscher Apostel?

„Was ich aber tue, werde ich auch tun, damit ich denen die Gelegenheit abschneide, die eine Gelegenheit dazu suchen, dass sie in dem, worin sie sich rühmen, (als solche) wie wir befunden werden. Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, die die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen; und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen“ (2.Kor. 11,12-15, eigene Hervorhebung).

Das griechische Wort für „falscher Apostel“ ist pseudapostolos, was bedeutet, dass sich jene als Apostel verkleiden werden, doch keine sind. Dieses Wort ist nur einmal in der gesamten Schrift anzutreffen.

Es beschreibt Betrüger, die die Absicht haben, durch ihren Betrug Gewinn zu erlangen. Paulus scheint unsere Bestürzung bei ihrem Auftreten mildern zu wollen. Im Grunde genommen möchte er sagen: „Seid nicht überrascht, wenn Satan Betrüger sendet, die echt aussehen.“ Bei den falschen Aposteln handelt es sich also um den Versuch der Hölle, wahre Apostel aus zerstörerischer Absicht heraus zu imitieren.

Paulus wandte sich gegen diejenigen, die sich fälschlicherweise als Apostel ausgaben. Paulus identifizierte Männer, falsche Apostel, indem er ihre falschen Absichten bloßlegte, die sich auf finanziellen Gewinn richteten. Um den Unterschied zwischen sich und den falschen Aposteln klarzumachen, verweigerte er, eine Zeit lang Gelder der Korinther anzunehmen, um seine Überlegenheit gegenüber denen zu demonstrieren, die mit ihrer Apostelmaske Geld einnehmen wollten.

Paulus nennt sie auch „trügerische Mitarbeiter“ und offenbart damit ihre Fähigkeit zum Betrug. Anscheinend war es ihre Geldsucht, die diese Männer zu einem Maskenspiel im Dienst verführte.

Die weitgesteckteren Probleme des falschen Dienstes

Wenn wir über falsche Apostel sprechen, haben wir eigentlich mit dem größeren Thema, dem der falschen Diener jeglicher Art, zu tun. Falsche Leiterschaft ist ein Problem, mit dem sich die Schrift immer wieder beschäftigt. Die falschen Diener des Pharao kämpften gegen die wahren Diener Gottes, Moses und Aaron, und waren selbst in der Lage, viele ihrer Wunder und Demonstrationen geistlicher Macht zu imitieren. Der Name Baal ist gleichzusetzen mit einem Dienst, der durch Geld motiviert und somit durch ihn verseucht ist. Die Propheten des Alten Testaments wandten sich mit klaren Worten gegen die falschen Priester und Hirten ihrer Zeit. Paulus griff besonders die falschen Diener im Neuen Testament mit scharfen Worten an.

Es ist grundlegend wichtig, dass wir die Quelle jedes falschen Dienstes in Satan selbst sehen. Paulus sagte: „Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an“ (V.14). In dieser Aussage stellt Paulus einen Zusammenhang zwischen den Werken falscher Apostel und dem, was über einfache Fehler hinausgeht, her: Er sieht eine Verbindung direkt mit der Hölle. Diese Tatsache muss die Kirche zu ihrer Verantwortung gegenüber falschen Aposteln in unserer heutigen Zeit führen.

Gott hat in seiner Gnade die Gemeinde mit Gabendiensten in Form wahrer Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrer ausgestattet. Betrachten wir noch einmal ihren Aufgabenbereich, wie ihn Paulus heraushebt:

„Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi“ (Eph. 4,11-13).

Betrachten wir dann die folgenden Verse und vergleichen es mit dem, was er zuvor sagte:

„(Denn) wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch (ihre) Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum“ (V.14, eigene Hervorhebung).

Betrüger werden sich immer um den fünffältigen Dienst herum scharen. Paulus spricht von wahren Dienern und bezieht sich im selben Atemzug auf ihre Opposition gegenüber dem Falschen. Wir werden ausgerüstet, um nicht zur Beute falscher Dienste zu werden, die ständig um den Leib Christi herumschleichen, um diesen zu attackieren und zu verletzen.

Die Dienstgaben des teuflischen Gegendienstes

Für jeden Segen, den Gott irgendwann einmal erschuf, präsentiert Satan sein imitierendes Pendant. Die Dienstgaben in Epheser 4,11 sind dabei keine Ausnahme. In diesem Sinne müssen wir auch die falschen Apostel verstehen. Da Christus seiner Gemeinde den Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastor und Lehrer gegeben hat, hat Satan (als ein falscher Christus, siehe 2. Kor.11,14) fünf primitive und doch gefährliche Imitationen davon geschaffen:

1. Jesus warnt uns vor falschen Propheten, die im Schafsgewand erscheinen, aber im Innern reißende Wölfe sind (siehe Mt. 7,15).

2. Jesus sprach von falschen Schafhirten (oder falschen Pastoren), die als Mietlinge kommen würden, um zu töten, zu stehlen und zu zerstören. Sie sind unfähig, die Schafe zu beschützen, und zerstreuen und verlassen diese stattdessen (siehe Joh. 10,10-13).

3. Die Apostel Paulus und Petrus warnten beide vor der Existenz falscher Lehrer, die Fabeln und ketzerische Lehren verbreiten, um schnelle Zerstörung unter dem Volk Gottes zu bewirken 
(siehe 2.Tim. 4,3.4; 2.Petr. 2,1).

4. Es liegt auf der Hand, dass falsche Evangelisten als solche identifiziert werden können, die ein falsches Evangelium verbreiten (siehe Gal. 1,9).

5. Jesus sprach zu dem Engel der Gemeinde in Ephesus (an die Paulus über die wahren Gabendienste schrieb) über falsche Apostel - Menschen, die Lügner sind und das Apostelamt für sich beanspruchen, ohne von Gott gesandt worden zu sein (siehe Offb. 2,2).

Die imitatorische Natur dieser Menschen kann ein oder zwei korrupten Quellen entstammen. Einige falsche Apostel sind falsch, weil sie Abgefallene sind, was bedeutet, dass sie sich von einem einstmals echten Glauben entfernt haben (siehe 2. Thess. 2,3). Wie Judas haben sie anfänglich echte Erfahrungen mit Gott gemacht, doch durch innere Schwachheiten wenden sie sich dann von Jesus ab, hin zu einem Leben, das durch Fehler gekennzeichnet ist. Die Verbindung zwischen dem Wort „Apostel“ (Gesandter) und „apostat“ (Abgefallener) erscheint in diesem Zusammenhang recht interessant. Vielleicht denken wir, dass manche falsche Apostel eiskalte Betrüger sind, die niemals eine Erfahrung mit Christus hatten. Auf jeden Fall werden sie als betrogene und gefährliche Menschen dargestellt, die vom Teufel ermutigt werden, Menschen Böses zuzufügen.

Tage der Verführung

Diese Art falschen Dienstes ist in der heutigen Welt ein wachsendes Problem. Es gibt immer noch Menschen, die erschaudern, wenn sie sich an die tragischen Früchte der falschen Dienste von Jim Jones und des „People’s Temple“ erinnern. Oder an David Koreshs Vereinigung in Waco/Texas. In zunehmendem Maße schleicht sich die New Age-Bewegung an irregeführte Studenten christlicher Studiengänge heran, die die Bibel mit Psychologie und okkulter Philosophie vermengen, damit diese später Täuschungsdienste ausbreiten. Die Täuschung breitet sich scheinbar wucherartig aus, und der Glaube vieler Menschen kommt dadurch ins Stocken. Hier sehen wir, was Christus uns für die letzten Tage voraussagt:

„Seht zu, dass euch niemand verführe! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen. Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören. Seht zu, erschreckt nicht! Denn es muss geschehen, aber es ist noch nicht das Ende. Denn es wird sich Nation gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es werden Hungersnöte und Erdbeben da und dort sein. Alles dies aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden: Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis, und dann wir das Ende kommen“ (Mt. 24,4-14).

Obwohl die Folgen falscher Dienste fürchterlich sind, können wir uns des allumfassenden Sieges der Gemeinde Jesu sicher sein. Die gute Botschaft vom Reich Gottes wird überall auf der Erde gepredigt und die Ernte eingenommen werden!

Jeder falsche Dienst hat gemeinsame Wurzeln. Aus diesem Grund werden wir falsche Apostel innerhalb des Bereiches falscher Diener im Allgemeinen untersuchen. Jede Schriftstelle wird den einen oder anderen Aspekt des falschen Dienstes beschreiben und zusätzlich noch die falschen Apostel im Einzelnen. Wir beginnen damit zu untersuchen, was sich an der Wurzel des falschen Aposteldienstes befindet.

Kräfte, die tief im Innern eines falschen Apostels wirken

Wie wurde aus dem Judas ein Verräter? Damit ein Mensch an dieser Art schrecklicher Täuschung ankommt, müssen tief in seinem Innern einige dunkle Dynamiken am Werk sein. ähnlich den billigen Imitationen von Uhren, eventuell von teuren Schweizer Exemplaren, die am Straßenrand verkauft werden und die im Innern billig und unzuverlässig sind, offenbaren auch die Innereien falscher Apostel die ganze Wahrheit. Im Herzen eines jeden falschen Apostels befinden sich einige wahrhaft störende Kräfte, die am Wirken sind.

Wir können uns vielleicht eine Vielzahl von Ursachen für das, was falsche Apostel tun, vorstellen. Doch werden in der Schrift nur zwei Hauptmotive genannt. Anders als die moderne Psychologie entschuldigt die Bibel kein fehlerhaftes Verhalten aufgrund der Entdeckung eines gewissen Kindheitstraumas oder durch ein bestimmtes soziales Umfeld bedingte Defizite. Falsche Apostel gehen ihrer Tätigkeit entweder aufgrund der Liebe zum Geld (siehe Titus 1,11; Offb. 2,14; 2.Petr. 2,1-3) oder wegen der Sünde des Stolzes nach (siehe 1.Tim. 6,4.5).

Dass Geld die Wurzel dieser Bösartigkeit ist, erscheint nicht gerade sehr überraschend. Es sieht so aus, als ob Judas von dieser Macht beeinflusst worden war. Naive Menschen können mit ihren Begabungen großen Profit einbringen, wenn man ihnen sagt, dass sie damit im Grunde doch Gott dienen. Durch Manipulation, Kontrolle und falsche Praktiken können falsche Apostel dazu bewegt werden, die großen Ressourcen in ihrer Reichweite anzuzapfen.

Das Motiv des Stolzes beeinflusste Luzifer selbst (siehe Jes. 14,12-15) und führte zu seiner verabscheuenswerten Persönlichkeitsveränderung. Stolz ist auch die Grundlage für seine gesamte gegenwärtige Aktivität. Zweifel, Trennung und Verführung sind Nebenprodukte eines Herzens, das mit einem Verlangen nach Besitz und einer stolzen Leidenschaft für Macht gefüllt ist.

Apostel, Geld und Integrität

Wenn wir von der Geldliebe als Motiv falscher Apostel reden, gelangen wir auch zu der Frage: Wie sieht die Haltung eines wahren Apostels gegenüber dem Geld aus? Zunächst scheint dies erst einmal eine recht triviale Frage zu sein. Die Bibel betont aber mit Nachdruck den richtigen Umgang mit Geld, besonders auch dann, wenn es um den christlichen Dienst geht. Jesus wies darauf hin, dass das Thema „Geld“ ein exzellenter Spiegel für die wahren inneren Motive ist: „Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein“ (Lk. 12,34). Die Art und Weise, wie eine Person mit Geld umgeht, offenbart den inneren Zustand ihres Herzens.

Es geht also um Integrität und um Durchsichtigkeit. Integrität ist die Qualität, das Verhalten an das anzupassen, was moralisch richtig und gut ist, ist die Integration von richtigem Glauben und richtigem Handeln.

Falsche Apostel besitzen keine Integrität, und somit ist auch ihre Haltung gegenüber Geld eine korrupte. Wenn jemandem Geld anvertraut werden kann und er in finanzieller Integrität handelt, so können dieser Person auch geistliche Reichtümer des Reiches Gottes anvertraut werden. Jesus sagte: „Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? Und wenn ihr mit dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eure geben?“ (Lk. 16,11.12). Integrität, wie sie sich in dem aufrichtigen Umgang mit Geld bei einer Person zeigt, ist ein absolutes Senklot, das es ermöglicht, zwischen einem falschen und einem wahren Apostel zu unterscheiden.

Im Leben eines wahren Apostels ist die Integrität am Wirken, die sich in ihrer sauberen Einstellung und ihrem Verhalten gegenüber Geld beweist. Als die ersten Christen ihre Häuser und Ländereien verkauften und ihre lebenslangen Ansparungen vor den Füßen der Apostel ausbreiteten, hatten sie keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten. Das Geld wurde sauber eingesetzt (siehe Apg. 4,35-37). Ein falscher Apostel hätte das Geld jedoch missbraucht. Als Simon der Zauberer versuchte, die Apostel zu bestechen, um von ihnen die Kraft des Heiligen Geistes zu bekommen, wies ihn Petrus mit scharfen Worten wegen seines Handelns zurück und erkannte seine bitteren Motive und sein verdunkeltes Herz. Ein falscher Apostel hätte das Angebot freudig als „Liebesgabe“ empfangen. Ein wahrer Apostel besitzt jedoch die Integrität des Paulus, wenn es um das Thema Geld geht. Er war in der Lage, den Ältesten in Ephesus Folgendes zu berichten: „Ich habe von niemandem Silber oder Gold oder Kleidung begehrt“ (Apg. 20,33).

Die kommende apostolische Welle wird eine wahre Welle der Kraft Gottes sein, die durch Menschen wirkt, die streng verlässlich sind, wenn es um Geld geht. Der Judas-Generation falscher Diener darf es nicht erlaubt werden, die echte Bewegung zu unterlaufen. Die Praktiken, die Schrift für finanziellen Gewinn zu verdrehen, die Praktiken der Druckausübung bei Opfergaben, der üppigen Lebensstile und des Fehlens finanzieller Rechenschaftsablage haben in dieser Bewegung keinen Platz. Wir müssen lernen, den Geist Baals zu erkennen und uns zu unterwerfen, bevor er beschmutzen kann, was Gott dazu berufen hat, rein zu sein.

Falsche Apostel erkennen

Wie können wir moderne Judasse ausfindig machen? Leider ähneln sie den echten Aposteln sehr stark. Satan präsentiert diese Schwindler schlauerweise als nahezu gleich erscheinende Nachahmungen. Wie sonst auch bei jeder anderen Fälschung können wir sie erkennen, indem wir wissen, nach was wir genau Ausschau halten müssen. Falsche Apostel sind immer an ihren falschen Persönlichkeiten, falschen Praktiken und falschen Verkündigungen zu erkennen.

Falsche Persönlichkeit

Wenn Gott jemanden zum Dienst beruft, setzt Er einen Prozess der Umwandlung im Charakter und im Herzen dieser Person in Gang (siehe Röm. 8,29-30; 12,2; 2. Kor. 3,18). Das Handeln Gottes beginnt tief im Innern eines Individuums, damit diese Person in Charakter und Persönlichkeit Christus gleichgestaltet wird. Das Endresultat bei dieser Person ist die innere Struktur eines Dieners Gottes.

Falschen Aposteln fehlt dieses innere Makeup und die Persönlichkeit, die bei wahren Aposteln anzutreffen ist. Der Grund dafür ist, dass ihre alte Natur nicht durch die Kraft Jesu verändert wurde. Paulus weist darauf hin, dass sie, selbst wenn sie als umgewandelt erscheinen, doch nur sich selbst umgewandelt haben (genauso, wie es Satan tut) und sie sich selbst als Apostel ausgestattet haben (siehe 2.Kor. 11,13-15). Sie berufen sich eigenmächtig und sorgen selbst für ihre Entwicklung.

Sie besitzen keine wahre Heiligung und weisen keinen Prozess der Charakterentwicklung in ihrem Innern auf. Sie wurden nicht im Innern von Gott verändert, selbst wenn es so scheint.

Dieses Fehlen der inneren Umgestaltung durch die Kraft Gottes kann in zweierlei Hinsicht eindeutig angetroffen werden.

Erstens besitzen diese Menschen keine intime Beziehung mit Jesus. Sie bleiben nicht am Weinstock. Zu solchen Fälschungen wird Christus selbst am Gerichtstag verkünden: „Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!“ (Mt. 7,23).

Zweitens haben falsche Apostel keine echten Beziehungen und Gemeinschaft mit echten Gläubigen. Das Neue Testament bezeichnet falsche Diener als „falsche Brüder“ (2.Kor. 11,26; Gal. 2,4.5). Dieser Ausdruck weist auf die Frage nach ihrer Beziehung und Identität im Leib Christi hin. Sie sind keine „Brüder“ und gehen keine Beziehung unter den Brüdern oder im Haus des Vaters ein. Es handelt sich um Leute, die von ihrem inneren Denken und ihrer Art her, Beziehungen zu leben, vom wahren Volk Gottes getrennt anzutreffen sind.

Falsche Praktiken

Falsche Apostel können auch an ihrem Verhalten erkannt werden. Paulus sprach von ihrer „gerissenen Schlauheit“ - falsche Methoden, die ihre falsche Identität bloßlegen (siehe Eph. 4,14). Ihre falschen Praktiken sind Auswüchse ihres falschen Charakters. Die Schrift offenbart viele Praktiken, die falsche Apostel charakterisieren, einschließlich folgender Kennzeichen:

* Geheimnistuerei und Mystik in ihren Lehren und ihrem Leben anstelle von Offenheit (siehe Gal. 2,4.5). „Geheimnisse bewahren“ ist ein gutes Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

* Ein Geist der Bindung oder Kontrolle anderer statt der Betonung wahrer Freiheit (siehe 2,4.5). Ein wahrer Apostel möchte niemals irgendjemanden binden oder kontrollieren. (Für weitere Informationen darüber, wie wahre Apostel ihre Autorität einsetzen, siehe bitte Kapitel 11).

* Manipulation durch schmeichelnde Worte statt des Aussprechens der Wahrheit in Liebe (siehe Röm. 16,18; Eph. 4,15).

* Ein sexuell-verführerischer Einfluss durch Frauen statt Reinheit und Respekt (siehe Mt. 23,14; 2.Tim. 3,6).

* Betrug und Heuchelei statt Aufrichtigkeit und Integrität (siehe Mt. 7,15; 24,11).

* Falsche Wunder, die von einer dämonischen Begabung herrühren, statt wahrer Wunder, die durch den Heiligen Geist bewirkt werden (siehe 24,24).

* Zauberei, falsche Philosophien und fleischliches Denken statt der Gesinnung Christi und himmlischer Weisheit (siehe Kol. 2,8; Jak. 3,15).

* Leere Traditionen und lebloser Symbolismus statt bedeutungsvoller Anbetung (siehe Kol. 2,8.18).

* Durchdringen der Lokalgemeinde mit Hilfe ihrer eigenen Botschaften, statt die Gesellschaft mit dem Evangelium zu durchdringen (siehe Apg. 20,29; Judas 4). Wahre Apostel kommen nicht in die Lokalgemeinde, um Menschen zu sich zu ziehen. Dies ist die Arbeit falscher Apostel. Wahre Apostel sorgen sich darum, die Verlorenen für Jesus zu gewinnen.

* Dezimieren der Lokalgemeinde und Abwerben zu sich, statt Gemeindewachstum und das Hinleiten der Menschen zu Christus (siehe Apg. 20,30; 1.Joh. 2,19.26).

Jede dieser Praktiken kann beobachtet werden und verhält sich konträr zu Methoden des Dienstes. Eine beständige Verletzung dieser Prinzipien im Dienst kann klare Hinweise auf einen falschen Dienst liefern.

Falsche Verkündigung

Falschen Aposteln fehlen echte apostolische Botschaften. Sie können sich niemals richtig anhören, denn sie sind es auch nicht. Ihre Lehren basieren nicht auf Wahrheit, sondern gründen auf Trugschlüssen, die in engem Zusammenhang mit ihren falschen Gedanken stehen. Sie strecken die Hände aus, um andere durch dunkle Mächte zu sich zu ziehen. Egal, ob sie „das Evangelium des Christus nur umkehren“ (Gal.1,7) oder ein gänzlich „anderes Evangelium“ predigen
(2.Kor.11,4; Gal. 1,6) - in jedem Fall ziehen sie Flüche auf sich, indem sie es tun (siehe Gal. 1,9). Die heimtückische Gefahr, die mit den Botschaften falscher Diener einhergeht, ist, dass sie nicht von ihnen stammt, sondern im Grunde genommen „Lehren von Dämonen“ sind, die direkt aus der Hölle kommen (1.Tim. 4,1). Die trostlosen Resultate derjenigen, die ihren Lehren folgen, zeigen sich in Form persönlicher Leiden, geistlichem Durcheinander sowie ewiger Verdammnis.

Kurz gesagt, falsche Apostel besitzen falsche Persönlichkeiten und weisen falsche Praktiken und eine falsche Verkündigung auf. Sie können an ihrer Frucht erkannt werden und es muss etwas unternommen werden, um ihre Effektivität einzudämmen.

Vier Grundsätze beim Umgang mit falschen Aposteln

Was macht man mit einem Judas, wenn er als solcher entlarvt wurde? Das Erste, was wir prüfen sollten, ist, ob es sich bei dieser Person um einen falschen Apostel oder einen abgefallenen Apostel handelt. Die Antwort auf diese Frage bestimmt die Strategie und das gewünschte Ergebnis. In diesem Kapitel haben wir mit falschen Aposteln zu tun. Aus diesem Grund werde ich mir meine Bemerkungen über gefallene Apostel für das nächste Kapitel aufheben, in dem ich die apostolische Autorität und gemeinschaftliche Rechenschaftsablage unter den Aposteln behandle.

Im Fall eines falschen Apostels dürfen wir nicht vergessen, dass die Antwort Jesu auf Judas trotz der Tatsache, dass Jesus wusste, was Judas kurz darauf tun würde, keine gewalttätige oder bittere war. Der Kampf geht nicht gegen Fleisch und Blut. Uns wird in der Schrift aufgetragen, auf falsche Apostel bestimmt, dennoch aber geistlich zu reagieren. Welche Gesetzmäßigkeiten und Prinzipien bestimmen, wie wir mit falschen Aposteln in der Kirche Jesu Christi umgehen sollen?

1. Vermeide ihren Einfluss

Die erste Gesetzmäßigkeit basiert auf dem Prinzip der Vorsorge: Indem wir unsere Kenntnis des Wortes Gottes erweitern, werden wir in der Lage sein, falsche Apostel ausfindig zu machen und sie zu meiden, noch bevor sie Einfluss auf unser Leben ausüben können (siehe Röm. 16,17; Titus 3,9). Wir dürfen uns unter keinen Umständen unter ihre Leiterschaft begeben oder uns ihrem Wirkungsbereich ausliefern, auch nicht für kurze Zeit: „Und zwar wegen der heimlich eingedrungenen falschen Brüder, die sich eingeschlichen hatten, um unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, zu belauern, damit sie uns in Knechtschaft brächten. Denen haben wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe“ (Gal. 2,4.5, eigene Hervorhebung).

2. Trenne alle Verbindungen mit ihnen

Trenne dich vollständig und ziehe dich von falschen Aposteln zurück. Diese Gesetzmäßigkeit basiert auf dem Prinzip der Erhaltung: „Irrt euch nicht: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten“ (1.Kor. 15,33). Wahre Apostel können es sich nicht leisten, mit Menschen unbeständigen Charakters Gemeinschaft zu pflegen, selbst wenn es um Einheit, Netzwerkbildung und Gemeinschaft geht (siehe Gal. 5,12; 2.Thess. 3,6.14; 2.Joh. 1,6). Paulus warnte Timotheus vor solchen „Menschen, die in der Gesinnung verdorben und der Wahrheit beraubt sind und meinen, die Gottseligkeit sei (ein Mittel) zum Gewinn“ (1.Tim. 6,5). Egal, ob wir Apostel oder apostolische Menschen sind - wir müssen uns von den Nachahmungen des Feindes fernhalten. Unser Motiv dabei soll nicht Furcht, sondern Klugheit sein. Wenn wir dieses Prinzip nicht im Blick behalten, könnte die apostolische Bewegung in kürzester Zeit verpestet werden.

3. Weise sie zurecht und ermahne sie, von ihren falschen Praktiken Abstand zu nehmen

Göttliche Menschen müssen falsche Apostel herausfordern. Diese Gesetzmäßigkeit erhält ihre Wirksamkeit durch das Prinzip der Reinigung: Die einzige Weise, auf die wir den Leib Christi von Unreinheit rein halten können, besteht in der Konfrontation. Die Bibel ruft Menschen Gottes dazu auf, falsche Dienste zurechtzuweisen und zu überführen: „… der an dem der Lehre gemäßen, zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen“ (Titus 1,9). Diese Vorgehensweise sollte bis zu zwei Mal wiederholt werden. Danach sollte der falsche Diener, der fortfährt, Täuschungen zu verbreiten, als solcher kenntlich gemacht und aus der Gemeinschaft und dem Verband ausgeschlossen werden, da er durch sich selbst verurteilt ist (siehe Titus 3,10.11).

4. Informiere die anderen im Leib Christi über ihre Arbeit

Diese Gesetzmäßigkeit basiert auf dem Prinzip des Schutzes: Wir müssen den Leib Christi vor Einflüssen bewahren, die ihn schwächen oder verschmutzen. Ein großer Teil des Neuen Testaments zeigt uns Apostel, die geistliche Gefahren beschreiben und die Gemeinde davor warnen, sich den falschen Aposteln zu nähern. Es ist in Ordnung, wenn bestimmte übeltäter identifiziert werden (siehe Röm. 16,17). Dies schützt das Haus Gottes vor unerwünschten Invasionen und sorgt für einen gesunden Leib Christi.

Zusammenfassung

Die Bibel spricht klar darüber, dass der apostolische Dienst von Satan anvisiert wird, um ihm seine Kraft zu rauben. Die wahren Apostel, die für die letzte Stunde der Welternte gesalbt und gesandt werden, stellen für das dämonische Königreich so eine Bedrohung dar, dass sich eine massive Gegenbewegung als Konterschlag bilden wird. Eine Gemeinschaft falscher Apostel wird konkurrierend mit der echten Gemeinschaft auftreten. Das Ziel dieses dämonischen Angriffs wird es sein, die apostolische Bewegung zu schwächen und ihre Auswirkung auf die Erde zu mindern.

Dass der Feind von der Kirche besiegt werden wird, steht fest. Die moderne Bewegung der Judas Ischkariots wird sich selbst erhängen und endgültig fallen, während die wahre Gemeinschaft der Apostel nach vorne ziehen wird, um Kraft zu empfangen und die Nationen zu beanspruchen. Der Sieg kann nur dadurch kommen, dass die Menschen Gottes in der Lage sind, zwischen wahren und falschen Aposteln zu unterscheiden, und wird die Folge davon sein, dass wir die apostolische Autorität genau verstehen.

1 Frank Damazio, The Vanguard Leader (Portland, Oreg.: Bible Temple, 1994), S.161.

Verständnis der apostolischen Autorität

Niemals würden sie diese Lektion je wieder vergessen können. Alles begann mit einer scheinbar unschuldigen Bitte. Sie fühlten sich ein wenig unwohl dabei, doch das war ja egal, schließlich waren sie ja Apostel. Sie waren persönlich dazu auserwählt worden, Christus nachzufolgen und mit Ihm Zeit zu verbringen. Sicherlich würde Jesus ihre Bitte verstehen und auch gewähren. Also entschlossen sie sich, ihn zu fragen.

„Lehrer, wir wollen, dass du uns tust, um was wir dich bitten werden“, näherte sich Johannes vorsichtig an das Thema an.

„Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?“, fragte Christus mit einem neugierigen Lächeln.

Jakobus erklärte: „Gib uns, dass wir einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken sitzen in deiner Herrlichkeit … in deinem Reich!“

„Ihr wisst nicht, um was ihr bittet“, unterbrach ihn Christus. Sein Gesicht nahm ernste Züge an. „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke oder mit der Taufe getauft werden, mit der ich getauft werde?“

Unerschütterlich antworteten beide: „Wir können es.“

Jesus führte die Diskussion auf eine neue Ebene prophetischer Intensität: „Den Kelch, den ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, mit der ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; aber das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken zu vergeben, steht nicht bei mir, sondern (ist für die), denen es bereitet ist.“

Die beiden liefen vor Scham rot an. Sie hatten beide ihre eigenen kleinlichen Ambitionen offenbart. Die anderen Apostel bekamen langsam ihre Diskussion mit und die Stimmung wendete sich schnell gegen sie. Noch schlimmer, dass Jesus seine eindeutige Unzufriedenheit gegenüber ihren Bitten geäußert hatte.

Der Herr löste diese Anspannung, indem er sie in eine tiefgängige Diskussion bezüglich der Natur des Dienstes führte. Sie sollten da etwas noch besser verstehen. Jesus gebrauchte fast immer solche Momente, in denen die Apostel etwas falsch gemacht hatten, als Gelegenheit, sie zu korrigieren und zu lehren. Sie mussten die apostolische Autorität besser verstehen lernen.

Er fuhr fort, die Autorität im Reich Gottes von der Autorität in der Welt abzusetzen. Beide waren unterschiedlich. Größe im Reich Gottes ist das Resultat einer aufrichtigen Dienerhaltung, nicht einer fleischlichen Konkurrenz. Jesus verwies auf sich selbst als Beispiel, dass er selbst als Herr über alles zum Dienen und nicht zum Bedientwerden gekommen war (siehe Mt. 20,20-28; Mk.10,35-45).

Seitdem Jakobus und Johannes diese selbstsüchtige Bitte nach einer Position geäußert hatten, war das Thema um die Reichweite der apostolischen Autorität ein für alle Mal behandelt. Sicherlich sind Apostel dafür berufen, Autorität auszuüben. Doch machte Jesus klar, dass diese Autorität auf eine demütige, sauber motivierte Art errungen werden muss, die im Anschluss auf souveräne Art belohnt wird.

Bezüglich diesem Thema richten wir unsere Aufmerksamkeit nun darauf, den Dienst des Apostels besser zu verstehen. Wie viel Autorität besitzen Apostel überhaupt? Wie viel davon sollten sie gebrauchen? Gibt es Grenzen für die Autorität der Apostel und wie sehen sie genau aus? Die Bedeutung des neutestamentlichen Modells für apostolische Autorität für uns heute ist grundlegend für den Erfolg der kommenden apostolischen Bewegung und der Entwicklung des einzelnen apostolischen Individuums.

Das ursprüngliche Modell der apostolischen Autorität

Wie wir bereits sahen, kämpften die zwölf Apostel als Männer darum, die Grenzen und den Charakter ihrer Berufung besser zu begreifen. In ihren anfänglichen Tagen als Apostel wurden ihre Herzen bei der Aussicht auf ihre Trennung von Jesus (siehe Joh. 14,1.27) betrübt. Dies war wahrscheinlich wegen einer Vielzahl an Gründen der Fall. Eine der größten Fragen war für sie wahrscheinlich, wer die Leiterschaft über die Zwölf danach übernehmen sollte. Es ist stark anzunehmen, dass die Leiterschaft des Petrus über die Zwölf von Zeit zu Zeit getestet wurde, besonders, als er die Fehler machte, für die er heute so bekannt ist. Obwohl die Aufzählungen der Namen der Apostel in den Evangelien immer Petrus an die erste Stelle setzen, scheint es klar, dass nicht jeder mit seiner Vorrangstellung zufrieden war (siehe Mk. 9,34; Lk. 22,24).

Als Jesus physisch gegenwärtig war und Verantwortung für die Zwölf übernahm, wurde das meiste der versteckten Rangordnung und Konkurrenz in Schach gehalten. Doch als Christus zum Vater auffuhr, entstand eine Art Vakuum. Jemand musste Seinen Platz einnehmen. Wir besitzen keine Aufzeichnung davon, dass Petrus von Christus als neues Haupt der Aktionen für das Reich Gottes offiziell eingesetzt wurde(*1). Eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die Autorität des Petrus scheint vorgeherrscht zu haben.

Im weiteren Verlauf wurde Petrus zum inoffiziellen Leiter der Gemeinde. Nach der Auferstehung und dem Versuch Jesu, den Jünger, der ihn verleugnet hatte, zu ermutigen, war klar, dass Christus noch etwas Großes mit Petrus vorhatte. Zu Pfingsten war er zu einem stark veränderten Mann geworden und wurde von Gott mächtig dazu gebraucht, an diesem ereignisreichen Tag Einsicht und Leiterschaft zu vermitteln. Er wird vom Autor der Apostelgeschichte als der erwähnt, der zuerst auftrat und als Erster sprach (siehe Apg. 1,15; 2,14; 3,12). Von dieser Zeit an findet sich Petrus in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte als Vorläufer und Repräsentant der Apostel, der als Erster Wertachtung empfing, wann immer sie als Gruppe angetroffen wurden (siehe 2,39; 5,29).

Im weiteren Verlauf der Apostelgeschichte wendet sich die Aufmerksamkeit des Lukas den anderen Aposteln zu. Die Vorherrschaft des Petrus unter den Juden verblasste, als die Bekehrung des Paulus stattfand und sich sein Dienst zu den Nichtjuden hin ausbreitete. Paulus wird hier zur zentralen apostolischen Figur der Apostelgeschichte, was sogar beinhaltet, dass seine Gegenwart die des Petrus überschattet. Wir wissen, dass Paulus in seinem frühen Dienst als Apostel genug Selbstbewusstsein besaß, um Petrus öffentlich für seine offensichtlich religiösen Vorurteile zurechtzuweisen (siehe Gal. 2,11-14). Wenn wir schließlich bei Apostelgeschichte 15 und dem apostolischen Rat ankommen, der dazu einberufen worden war, das Thema der Beschneidung der Nichtjuden zu regeln, hat der Apostel Jakobus Petrus als den führenden Apostel und die führende Autorität in Jerusalem bereits abgelöst.

Innerhalb der ersten Jahrzehnte nach der Auferstehung wechselte die Leiterschaft der Gemeinde also mehrere Male innerhalb der apostolischen Personen hin und her. Jeder Einzelne wurde von Gott für eine bestimmte Zeit erhoben, um Einfluss auszuüben und bestimmte Aufgaben auszuführen. Die Autoritätsstellung war also veränderbar. Sie baute auf ihre grundlegende Berufung als Apostel, war aber abhängig von bestimmten Zeiten und Absichten Gottes mit ihrem Leben und der Gemeinde.

Diese Art Flexibilität innerhalb der Leiterschaft der Apostel zeigt auf eindrückliche Weise, dass apostolische Autorität in ihrer grundlegenden Natur weder sukzessiv (d.h. aufgrund des Willens bestimmter Menschen übertragbar), noch hierarchisch (d.h. aus verschiedenen Autoritätsschichten bestehend) ist. Stattdessen gestaltet sich die Leiterschaft und Unterordnung unter Apostel fließend, abhängig von Änderungen, wie es die Situation und der Wille Gottes gerade erfordert. Diese Tatsache liefert uns eine wichtige Einweisung in das erste von vier Prinzipien, die die apostolischen Autoritätsstrukturen in der Urgemeinde beeinflussten. Untersuchen wir also zunächst die Quelle jeglicher geistlichen Autorität - das Herz eines Dieners.

Die Quelle apostolischer Autorität

Der Apostel ist in allererster Linie ein Diener. Jeder wahre Dienst ist das Resultat einer tiefempfundenen Verpflichtung, demütig die eigene Tagesordnung beiseite zu legen und dem Vater zu dienen. Dies ist das Vorbild, das uns Christus - der Apostel - gab: Er kam nicht, um Dienst zu empfangen, sondern um selbst zu dienen (siehe Mt. 20,28). Ein Apostel erhielt die Offenbarung von der Macht der Kraft Christi, indem er diente:

„Habt die Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus (war), der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge“ (Phil. 2,5-10).

Diese mächtigen Worte tragen eine Offenbarung und Weisheit in sich, die ewig ist. Die Größe eines Apostels und seine Autorität leiten sich von seiner Diensthaltung ab. Wer sich einen wirkungsvollen apostolischen Dienst wünscht, muss darauf vorbereitet sein, die Gestalt eines Dieners anzunehmen und das Kreuz zu erleben, damit eine mächtige Auferstehung von größerer Autorität in sein Leben hineingeboren werden kann.

Die apostolische Demut

Paulus schreibt, dass er seinem Dienst für den Herrn „mit aller Demut“ nachkam (Apg. 20,19). Die Qualität der Demut und einer Diensthaltung waren tief im Innern seines Menschseins verankert. Betrachten wir drei dieser Spiegelbilder von dieser Art apostolischer Demut im Neuen Testament:

1. Apostel betrachteten sich selbst als Sklaven Jesu Christi

Die Apostel identifizierten sich in ihren Schriften als Diener. Zum Beispiel: „Paulus, Knecht Christi Jesu, berufener Apostel, ausgesondert für das Evangelium Gottes“ (Röm. 1,1). Dies war nicht nur ein Markenzeichen der Briefe des Paulus. Dieselben Einleitungen finden sich auch in den Schreiben des Apostels Jakobus (siehe Jak. 1,1), bei Petrus (siehe 2.Petr. 1,1) und auch bei Johannes (siehe Offb. 1,1).

Die Apostel gaben den anderen zu erkennen, dass sie ihre Rollen verstanden. Sie waren Christus unterworfen. Sie fanden ihre Aufgaben und Identitäten in Lebensstilen, durch die sie den Willen Gottes taten und bei denen sie ihre gesamten Fähigkeiten unterstellten. Als Bundessklaven büßten sie ihre Rechte und Privilegien ein, und die ihnen von Christus zugeteilten Verantwortungen erhielten ihr Gewicht.

2. Apostel nahmen niemals Ehre für sich in Anspruch

Die innere Demut, die für die Apostel charakteristisch war, bewahrte sie davor, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der Apostel Paulus bekannte: „Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!“ (1.Kor. 9,16). Eine der reifsten und übernatürlichsten Menschen aller Zeit glaubte aufrichtig, dass er keinen Grund hätte, sich etwas zu rühmen. Dies ist kennzeichnend für die Demut, die einen Apostel stark macht.

Wann immer Gott die Apostel gebrauchte, um übernatürliche Heilungskräfte zu demonstrieren, waren sie darauf bedacht, Gott dafür die Ehre zu geben. Offensichtlich schrieben manche ihnen diese Kräfte zu, doch die Apostel demonstrierten eine einfache Demut und sagten: „Männer von Israel, was verwundert ihr euch hierüber, oder was seht ihr (so) gespannt auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass er (Anm.: dieser Mann) gehen kann?“ (Apg. 3,12).

Später, als Petrus zum Haus des Kornelius kam, lesen wir Folgendes: „Als es aber geschah, dass Petrus hereinkam, ging Kornelius ihm entgegen, fiel ihm zu Füßen und huldigte ihm. Petrus aber richtete ihn auf und sprach: Steh auf! Auch ich bin ein Mensch“ (Apg. 10,25.26). Apostel sind sich ihrer schwachen Menschlichkeit bewusst (siehe Apg. 14,11-15) und geben sich nicht eigener Ehre hin (siehe 1.Thess. 2,6).

Wir sollten aber auch erkennen, dass die Qualitäten der Menschlichkeit und Dienstbarkeit die Apostel nicht davon abhielten, eine felsenfeste Kühnheit an den Tag zu legen (siehe Apg. 13,46; 14,3). Die Apostel traten mit Mut Seuchen, Gegnerschaft, Verfolgung und natürlichen Schwierigkeiten gegenüber. Es stimmt, dass Sanftmut nicht Schwachheit gleichkommt. Im Falle der Apostel hinderte sie ihre schwache Menschlichkeit nicht daran, in Konfrontation zu gehen und zu siegen.

3. Apostel verstanden die Notwendigkeit, sich anderen zu unterstellen

Wahre Apostel offenbaren ihre Demut weitab von Individuen, die sich selbst als „Gesetz-unter-die-Füße-Treter“ betrachten und unterstellten sich nachprüfbar einer entsprechenden Autorität. Die Apostel Paulus und Barnabas verließen die Kirche in Antiochia nicht, bevor sie nicht ausdrücklich vom Heiligen Geist, vermittelt durch die lokale Leiterschaft, entsandt wurden (siehe Apg. 13,1-3). In diesem Zusammenhang werden wir Zeuge, dass sich die Apostel der sie sendenden Gemeinde unterstellen. Diese demütige Unterordnung war scheinbar gängige Praxis. Ein kurzer überblick über die apostolischen Reisen des Paulus zeigt uns, dass er jede Reise von Antiochia aus unternahm und auch nach Antiochia zurückkehrte, um seinen Fortschritt am Ende der Reise zu berichten (z.B. Apg. 14,26-28).

Wir können aus denselben Schriftstellen erkennen, dass die Apostel die Notwendigkeit wahrnahmen, sich der Autorität derer zu unterstellen, die Lokalgemeinden leiteten, die sie selbst nicht gegründet hatten. Sie verstanden es, sich der Lokalgemeinde zu unterstellen. Weder Paulus noch Barnabas hatten die Gemeinde in Antiochia gegründet, und als sie dort anwesend waren, strebten sie nie danach, sozusagen den Laden dort zu schmeißen. Tatsächlich besitzen wir keine einzige Aufzeichnung darüber, wo Apostel die Autorität an sich zu reißen versuchten; und zwar in jeglichem Kontext, der mit Dienst zu tun hat.

Es scheint, dass die Apostel des Neuen Testaments wussten, wie sie sich als „Gäste eines anderen Hauses zu benehmen hatten“. Sie unternahmen nie unerwünschte Versuche, über die Arbeit eines anderen Kontrolle auszuüben. Als weiteres Beispiel dient uns, dass es Paulus großzügig akzeptierte, als Apollos nicht bereit war, im von Paulus erwähnten Zeitrahmen zu erscheinen, als sich dieser sein Kommen nach Korinth stark wünschte. Paulus hielt sich zurück, ihn zur Fügsamkeit hin zu manipulieren (siehe 1.Kor. 16,12). Es spielt keine Rolle, ob es um eine sendende Gemeinde oder einen anderen Dienst geht: jedes Mal können wir den ruhigen Herzschlag der demütigen Unterordnung vernehmen, der konstant in der Brust eines wahren Apostels schlug.

Vier Prinzipien der apostolischen Autorität

Was können wir aus dem Neuen Testament über die Philosophie der Leiterschaft lernen, die die Apostel durch diese aufregenden ersten Jahrzehnte hindurchführte? Wie können wir diese zeitlosen Prinzipien in der gegenwärtigen apostolischen Bewegung anwenden? Die folgenden vier Prinzipien der apostolischen Autorität verleihen uns Einsicht:

1. Das Prinzip der interdependenten Kooperation

Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass das Herz eines Apostels wirklich demütig war. Apostel betrachteten sich selbst nie als Menschen, die das Leben der ihnen Unterstellten kontrollieren sollten, sondern respektierten den freien menschlichen Willen und entschieden sich für Kooperation anstatt für Kontrolle.

Dieses Prinzip zeigt sich im gesamten Neuen Testament. Wo immer Menschen und Leiter zusammenleben, muss es Kooperation statt eines dominierenden Strebens geben. In Offenbarung 2 offenbart Jesus seinen Hass gegenüber den Taten und Lehren der Nikolaiten (siehe Offb. 2,6.15). Obwohl wir heute nicht viel über diese Sekte wissen, können wir durch ihre Namensgebung Einsicht in ihre Fehler gewinnen. Die griechische Wortwurzel nikao bedeutet „bezwingen“ und laos bedeutet „Menschen“. So waren die Nikolaiten Menschen-Bezwinger - also solche, die Heilige dominierten und kontrollierten. Wahre Apostel würden sich einer solchen Kontrolle niemals schuldig machen.

Paulus offenbarte dies, als er Folgendes an die Gläubigen in Korinth schrieb: „Nicht dass wir über euren Glauben herrschen, sondern wir sind Mitarbeiter an eurer Freude; denn ihr steht durch den Glauben“ (2.Kor. 1,24). Paulus wusste, dass die Heiligen in Korinth nicht in eine Position der Abhängigkeit von seinem Glauben gestellt werden sollten, obwohl sie der Korrektur und des disziplinierten Wandels bedurften. Sie sollten auf ihrem eigenen Glauben stehen können. Die Rolle des Paulus war es, ihnen dabei zu helfen, in Freude statt in Niederlage zu laufen. Andererseits sollten sie aber auch nicht leichtsinnig unabhängig von seiner apostolischen Autorität leben. Dieses gängige Verständnis hinterlässt einen Gläubigen, der abgetrennt von einem großen Segenshappen lebt, der durch eine Beziehung zur Leiterschaft empfangen werden kann. Stattdessen sollten sie das Prinzip der Interdependenz, also der wechselseitigen Beziehung, in der Lokalgemeinde aufrechterhalten: Die komplexe Verflechtung apostolischer Leiterschaft, der lokalen Leiterschaft (sowie Pastoren und Älteste) und des lokalen Leibes untereinander in Harmonie und Ausgeglichenheit. Weder der Apostel, noch die lokale Leiterschaft, noch die Glieder können ohne die anderen vollständig sein.

Diese ausgewogene Verbindung sollte Gottes Mittel für das Wachstum und die Stärke in der Gemeinde werden - nicht nur im ersten Jahrhundert, sondern auch in unserem. Die gegenwärtige apostolische Bewegung muss an eine Sensibilität gegenüber allen interdependenten Beziehungen herangeführt werden, die Gott für Sein Volk vorsieht (siehe Eph. 4,16; Phil. 2,2).

2. Das Prinzip der freiwilligen Unterstellung

Wenn sich Menschen und ihre Apostel in der richtigen Beziehung zueinander befinden, sind dort sowohl echter Respekt als auch echte Unterstellung gegenwärtig. Apostel wie Paulus übten in ihrer Rolle als Leiter und geistliche Väter regelmäßig Einfluss auf die Gläubigen und die Gemeinden aus. Das Volk Gottes hörte beispielsweise auf die Entscheidungen, die die Ältesten und die Apostel in Jerusalem trafen: „Als sie aber die Städte durchzogen, teilten sie ihnen zur Befolgung die Beschlüsse mit, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren. Die Gemeinden nun wurden im Glauben gefestigt und nahmen täglich an Zahl zu“ (Apg. 16,4.5).

Handelte es sich hier etwa um exzessive Kontrolle? Sicherlich nicht. Diese Verse zeigen uns, dass das Volk Gottes tatsächlich wuchs, als es gehorchte. Dieser Segen kam, da das Prinzip der freiwilligen Unterordnung zum Einsatz kam. Sich anderen zu unterstellen ist eine freiwillige Sache. Paulus verweist darauf, wenn er von falschen Dienern spricht: „Denen haben wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben“ (Gal. 2,5). Unterordnung geschieht durch eine Handlung des Willens.

Die Apostel konnten keine Unterordnung und Kooperation vom Volk fordern, doch sie konnten sie annehmen, sobald sie ihnen freiwillig angeboten wurde. Als sich das Volk freiwillig unterordnete, leiteten die Apostel und übernahmen Verantwortung. Hier finden wir das wahre Modell für Unterordnung und göttliche Autorität für zu Hause, in der Gemeinde und in der Regierung. Ein Leiter kann nicht leiten, solange Menschen nicht willig folgen. Noch kann ein Apostel eine Reaktion erwarten, nur weil er ein Apostel ist. Apostel sind Diener, die denen dienen, die freiwillig ihre Autorität akzeptieren.

Während der letzten Zeilen haben sich vielleicht manche gefragt: „Wenn wir nun wegen dem Auftreten von Aposteln und apostolischen Menschen in eine neue Dimension der Gemeindeverwaltung eintreten, was bedeutet das dann für die gegenwärtigen Strukturen in der Gemeinde, wie beispielsweise die Denominationen (die einzelnen Glaubensrichtungen)? Werden wir sie in Massen verlassen, um in die Organisationen einzutreten, denen die neue Spezies von Aposteln voransteht?“ Obwohl ich mir nicht anmaße, eine vollständige Antwort auf diese wichtige Frage geben zu können, glaube ich doch, dass, was auch immer Gott an Umstrukturierung in Seiner Kirche vornimmt, dies nicht die biblischen Prinzipien der Autorität, die ich in diesem Kapitel behandle, verletzen wird. Anders ausgedrückt, ich glaube nicht, dass wir am Ende ein großes Durcheinander erleben werden. Einheit wird sich einstellen, wenn Gott uns dabei hilft, in gegenseitiger Abhängigkeit zu kooperieren und uns freiwillig einander zu unterstellen. Diese Bewegung sollte nicht eine Verletzung dieser Prinzipien der apostolischen Autorität verursachen, sondern vielmehr zu einer vollständigen Wiederherstellung einer größeren Einheit unter den vielen unterschiedlichen Lagern im Leib Christi führen. Ich weiß nicht genau, wie wir dorthin kommen werden, aber ich weiß, dass es uns gelingen wird, denn Jesus bittet den Vater darum, es zu vollbringen (siehe Joh. 17,20-23).

3. Das Prinzip der lokalen Autonomie

Wenn wir die Autoritätsmodelle im Neuen Testament untersuchen, erkennen wir dort eindeutig mehrere Autoritätsebenen. Es gab natürlich die lokale Autoritätsebene, die in der Lokalgemeinde anzutreffen war. Hier verwalteten Pastoren und Älteste das Werk Gottes und kümmerten sich um die Erfüllung der Aufgaben, die das Evangelium innerhalb ihrer Gemeindeversammlung abverlangte. Über der lokalen Autorität befand sich die translokale (übergemeindliche) Autorität der Apostel, die normalerweise für das Werk Gottes innerhalb eines bestimmten Gebietes, sei es geographischer oder kultureller Art, zuständig waren.

Wenn wir die Verbindungen zwischen lokaler und translokaler Autorität in der Schrift studieren, finden wir dort eine wunderbare Ausgeglichenheit vor. Apostel arbeiteten sorgfältig mit Lokalgemeinden und ihrer Leiterschaft zusammen, besonders bei Gemeinden, die sie selbst gegründet hatten. Alleine in der Apostelgeschichte 15 und 16 arbeiteten die Apostel in vielfältiger Weise Hand in Hand mit den lokalen Leitern zusammen. Paulus und Barnabas berieten sich mit den anderen Aposteln und Leitern in Jerusalem wegen dem Problem der Beschneidung der Nichtjuden (siehe Apg. 15,2.6). Als Apostel wurden Paulus und Barnabas von den Aposteln und Leitern in Jerusalem empfangen (siehe V.4). Sie wurden dann, begleitet von Briefen und anderen Menschen, von den Aposteln und Leitern in Jerusalem nach Antiochia entsandt, um die Beschlüsse des apostolischen Rats dorthin zu überbringen (siehe V.22). Wie wir bereits schon früher sahen, standen die Apostel und lokalen Leiter zusammen und gaben einen gültigen Beschluss für die gesamte nichtjüdische Gemeinde bekannt, der wahrgenommen und befolgt werden sollte.

In dieser gesamten Kooperation überrollte die translokale Autorität der Apostel kein einziges Mal die lokale Autorität. Das Prinzip der lokalen Autonomie und Eigenverwaltung blieb erhalten, während die Autorität des Apostelrats über Dinge Verwalterschaft ausübte, die mit einer größeren Reichweite des Werkes Gottes zu tun hatten.

4. Das Prinzip der gegenseitigen Rechenschaftsablage

Wo es Autorität gibt, existiert auch das Potential zum Missbrauch. Gott setzte Autoritätsstrukturen ein, wobei tiefere Ebenen der Autorität vor höheren Rechenschaft ablegen müssen. So besitzen in einer Armee beispielsweise die Fußsoldaten die Erlaubnis zu kämpfen. Sie sind jedoch den Unteroffizieren Rechenschaft schuldig, diese wiederum den Offizieren und Generälen. Die Generäle sind wiederum den Staatsoberhäuptern Rechenschaft schuldig.

In der Armee Gottes trifft dies ebenso zu, doch wem sind die Generäle (in unserem Fall die Apostel und Gemeindeväter) Rechenschaft schuldig, als Gott selbst?

Was wir im Neuen Testament erkennen können, ist das Prinzip gegenseitiger Rechenschaftsablage, wobei sich die „Generäle“ einander gegenüber verantwortlich zeigen müssen. Dieses Prinzip sorgt dafür, dass Menschen gegenüber anderen, die ebenso eine Vorrangstellung einnehmen, wie auch ihrer eigentlichen Leiterschaft gegenüber Rechenschaft ablegen. Dadurch wird ein effektives, beziehungsgeprägtes Netzwerk geschaffen, bei dem die Autoritäten (besonders in Leiterschaftspositionen) wieder vor anderen offen, gesprächsbereit und belehrbar bleiben. Innerhalb dieser Vereinbarung kann Unterordnung untereinander praktiziert und können Missbräuche vermieden werden.

Hier stoßen wir auf das Thema der gefallenen Apostel, das wir im letzten Kapitel erwähnten. Was sollte mit einem Apostel geschehen, der sündigt oder vom Weg abkommt? Die Art von beziehungsabhängiger Rechenschaftsablage, die ich hier beschreibe, ist die beste Vorsorge, die ich für so ein Problem kenne. Im Falle, dass man jedoch mit einem sündigen Bruder umgehen muss, müssen ihn die ihm Gleichgestellten durch Weisheit, durch Achten auf die richtige Zeit und durch eine genaue Selbstüberprüfung wieder zurechtbringen (siehe Gal. 6,1.2). Die liebevolle Gegenüberstellung und Korrektur von Gleichgestellten kann für ein Sicherheitsnetz sorgen, das im apostolischen Dienst benötigt wird. Falls sich der sündige Bruder nicht von seinen Fehlern abwendet, müssen schärfere Methoden angewandt werden (siehe Titus 3,10.11). Auf jeden Fall bietet wahre Rechenschaftsablage, wenn sie sauber ausgeführt wird, Schutz vor Fehlern und einen Zufluchtsort, wenn Fehltritte auftreten.

Im apostolischen Rat von Apostelgeschichte 15 kamen die
Apostel in diesem Geist gemeinsamer Rechenschaftsablage zusammen, um Streitereien und lehrbezogene Probleme zu lösen. Sie versammelten sich regelmäßig und unterstellten sich der Ermahnung und dem Rat der anderen. Manche mussten sich ändern und den Entscheidungen, die die apostolischen Freunde trafen, anpassen. So sieht gegenseitige Rechenschaftsablage in der Praxis aus. Außerdem zeigt uns die offene Zurechtweisung des Paulus gegenüber dem Petrus in Galater 2, dass Apostel sich frei fühlen konnten, wenn sie nicht sogar dazu verpflichtet waren, sich gegenseitig auf jegliches Fehlverhalten hinzuweisen.

Vier Aspekte der apostolischen Autorität

Welche weiteren Faktoren müssen wir beachten, um apostolische Autorität besser verstehen zu können? Betrachten wir in unserem Studium diese zusätzlichen Feinheiten:

1. Ränge im Aposteldienst

Es ist in der Tat vorstellbar, dass unter den Aposteln des ersten Jahrhunderts eine ungeschriebene Rangstruktur existierte. Wir können viele Hinweise darauf finden, dass dies wahrscheinlich ist. Erstens nahm Jakobus in seiner Position bei der Jerusalemer Ratsversammlung eine Vorrangstellung ein. Sein Charakter, seine Begabung und sein Einfluss als Leiter der ersten Gemeinde machten ihn zu einem natürlichen Leiter der Apostel. Zweitens weist die Sprache des Paulus auf die Existenz von Überaposteln oder Hauptaposteln (siehe 2.Kor. 11,5; 12,11) sowie auf kleinere Apostel hin (siehe 1.Kor. 15,9). Diese Umschreibungen veranlassen uns, ungeschriebene Ebenen des Dienstes unter den Aposteln festzustellen, so, wie wir es auch in jeder Organisation heute erleben.

2. Der Autoritätsspielraum

2. Korinther 10,13-16 weist darauf hin, dass jedem Apostel ein individuelles Maß der Herrschaft (oder Wirkungskreis der Autorität) von Gott gegeben wurde. Es war wichtig, dass jeder Apostel dies verstand, damit er nicht die vorgegebenen Grenzen seines Dienstes übertrat. Sowohl die natürlichen als auch die geistlichen Gründe für diese Art von Bewusstheit und Begrenzung werden unter den Aposteln des Neuen Testaments klar aufgezeigt. Der Wirkungsraum des Paulus war die nichtjüdische Welt (siehe Röm. 11,13), der des Petrus die jüdische Welt (siehe Gal. 2,8), wie es auch bei Jakobus und Johannes der Fall war (siehe Gal. 2,7-10). Es ist interessant, die Bestimmung des Matthias als Nachfolger des Judas in diesem Licht zu betrachten. Die Rolle eines jeden Apostels ist klar definiert und wird für das größere Gleichgewicht in der apostolischen Autorität benötigt.

3. Beziehungsabhängige Autorität

Der Gelehrte Dick Iverson beobachtete Folgendes: „Die Beziehung, und nicht die Hierarchie, ist die Basis der geistlichen Autorität. Eine Position einzunehmen, ein Amt zu besetzen oder an einen Ort der Bedeutsamkeit gewählt zu werden hat nichts damit zu tun, wie geistlich die Ältesten geschaffen wurden - sie verdienen es! Jemand verdient es, ein Leiter zu sein, indem er Beziehungen baut.“(*2)

Aus diesem Grund sollten wir uns auch dessen bewusst sein, dass Apostel einigen als Apostel gegenübertreten, anderen jedoch nicht. Genauso wie sich in der modernen Kirche von heute Menschen auf „ihre Pastoren“ in einer anderen Art und Weise beziehen als auf die von anderen, basierte in der Urgemeinde das Gefühl der Identifikation mit einem bestimmten Apostel auf einer persönlichen Beziehung zu ihm. Epaphroditus war als „dein Bote“ (wörtlich: „dein Apostel“) bekannt. Für manche war er ein relationaler Leiter und für andere wiederum nicht. Da Paulus keine Autorität über Jerusalem besaß, unterstellte er sich, während er dort war, dem Jakobus. Dieser beziehungsabhängige Aspekt der apostolischen Autorität war zweifelsohne das, was Paulus meinte, als er sagte: „Wenn ich für andere kein Apostel bin, so bin ich es doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamtes seid ihr im Herrn“ (1.Kor. 9,2).

4. Regionale Autorität

Der Wirkungskreis der Autorität leitet uns zusammen mit der beziehungsabhängigen Autorität zu einem weiteren Aspekt der Autorität bei einem Apostel - den des regionalen oder territorialen Apostelamtes. Roland Allen geht davon aus, dass die Apostel gesamte Regionen im Blick hatten, wenn er schreibt: „Sowohl der heilige Lukas als auch der heilige Paulus reden immer wieder von Provinzen anstatt von Städten. So war es dem heiligen Paulus nicht erlaubt, das Wort Gottes in Asien zu predigen; er wurde von Troas nicht nach Philippi oder Thessaloniki, sondern nach Mazedonien berufen. Als der heilige Paulus vor der Versammlung der Heiligen in Jerusalem sprach, sagte er, dass er sich rühme, dass Achaia ein Jahr davor bereit gewesen sei. Es scheint, dass aus dem Blickwinkel des heiligen Paulus nicht die Stadt, sondern die Provinz die entsprechende Größeneinheit war.“(*3) Wir glauben, dass der Heilige Geist unter den Aposteln wirkt, um unter ihnen Regionen aufzuteilen, damit geographische Gebiete (wie beispielsweise Kontinente) gleichmäßig durchdrungen werden können. Diese Art der Aufteilung von Verantwortung und Aufwand hat seinen Ursprung in der weisen Natur Gottes.

Die Schrift zeigt uns, dass die Apostel in bestimmte Territorien zogen, um ihren Aktivitäten nachzukommen. Der Dienst des Paulus brachte ihn nach Palästina, Syrien, Zypern, Kleinasien, Mazedonien, Griechenland und Rom. Illyrien und Spanien werden ebenso erwähnt (siehe Röm. 15,19-24). Viele interpretieren 1.Petrus 5,13 so, dass Petrus bis nach Babylon oder in den modernen Irak reiste. Die Überlieferung besagt, dass Thomas nach Indien und andere nach Frankreich, Großbritannien und ins nördliche Europa reisten.

Es ist faszinierend, in diesem Zusammenhang die Bemerkungen des J. Danielou, zitiert von Dr. McBirnie zu vernehmen: „Am Anfang des Buches 3 seiner Kirchengeschichte sagt Eusebius, nachdem er die Eroberung Jerusalems beschrieben hatte, dass ,die bewohnte Welt‘ unter den Aposteln in Einflusszonen aufgeteilt wurde: Thomas erhielt die Region der Parthianer, Johannes Asien, Petrus Pontus und Rom, Andreas Scythien.“ (The Christian Centuries, J. Danielou, S.39)(*4)

Später in der Geschichte wurde der heilige Augustinus von Canterbury als der „Apostel für England“ und der heilige Patrick als der „Apostel für Irland“ bekannt. Apostel bekamen in der Geschichte für bestimmte Territorien der Erde eine Last übertragen. Wenn Satan territoriale Geister einsetzt, um den globalen Kampf gegen die Gemeinde zu führen, wie es heute viele glauben, sollte es dann nicht möglich sein, dass auch Gott territoriale Apostel einsetzt, um gegen ihre zerstörerische Aktivität vorzugehen? Die Dynamik der Weltevangelisation, die möglich wird, wenn sich Apostel in allen diesen Aspekten richtig aufeinander beziehen, ist atemberaubend.

Die apostolischen Funktionen bezüglich ihrer Autorität

Ein tiefgehendes Studium des Aposteldienstes wäre nicht vollständig, würden wir nicht die apostolischen Funktionen in Bezug auf Autorität sehen. Die geistliche Autorität, die Aposteln übertragen wird, setzt die Verwaltung der folgenden Verantwortungen voraus:

Apostel sorgen für Ordnung (1.Kor. 7,17; 11,34; 16,1)

Der Apostel Paulus ging aktiv vor, wenn er die Lebensweise der Gläubigen, die Methoden des Gebens und das grundsätzliche Benehmen in Augenschein nahm. Sein Wirkungsspielraum brachte Ordnung und hervorragende Eigenschaften in das Haus Gottes hinein. Offensichtlich erhalten Apostel eine reale Autorität, die für alles von Lehrfragen bis hin zu praktischen Themen des Lebens mit Gott zuständig ist und Einfluss darin ausübt. Die Briefe des Neuen Testaments machen diesen Aspekt des Aposteldienstes deutlich.

Apostel regeln Fragen bezüglich der Lehre (Apg. 15,1.2.6)

Die Apostel kamen aus einem Bedürfnis nach Klarheit in der Lehre in Jerusalem zusammen. Heute könnten die Apostel ähnlich vorgehen, um die lehrmäßige Harmonie aus dem Wort Gottes zu festigen und für Einheit untereinander zu sorgen. Ich bin mir nicht sicher, wie weit so eine Harmonie gehen kann, doch sehe ich in unserer heutigen Zeit eine ermutigende Offenheit unter verschiedenen theologischen Lagern, die, so hoffe ich, durch das Auftreten von Aposteln verstärkt werden kann. Dies würde zweifelsohne zur „Einheit des Glaubens“ beitragen, von dessen wichtiger gemeindlicher Rolle Paulus sprach (siehe Eph. 4,13).

Apostel erlassen Verordnungen (Apg. 16,4)

Als die Apostel und Ältesten einen Konsens in Jerusalem errungen hatten, erließen sie Verordnungen. Diese sind spezielle Anordnungen (wörtlich „Dogmen“), die sich auf die Kirche und ihre Mitglieder beziehen. Wenn Apostel Verordnungen erlassen, werden diese durch den Gebrauch derselben kommuniziert.

Wir können den Einsatz von Verordnungen auch in kleinerem Umfang feststellen. Zum Beispiel treten in den Gemeinden des apostolischen Netzwerks, zu dem ich gehöre, manchmal Probleme bezüglich Themen wie Geld, Entscheidungen und Lehre auf. Hat man einen toten Punkt erreicht, und kann die Lokalgemeinde dieses Problem nicht selbst lösen, entsendet unser Netzwerk einen Apostel, der eine bindende Entscheidung trifft oder eine Verordnung erlässt, nachdem er sich über das gesamte Thema ausführlich informiert hat. Jeder, der davon betroffen ist, ist verpflichtet, im Fluss dieser Entscheidung zu bleiben, damit der Fortschritt in der Gemeinde weitergehen kann. Auf jeden Fall ist es klar, dass im Dienst Gottes oft Entscheidungen getroffen werden müssen. Manchmal sind es die Apostel, die sie treffen müssen.

Apostel führen Diakone und Älteste in ihre Ämter ein (Apg. 6,1-4.6; 14,23)

Die Schrift schreibt der Diensteinführung äußerste Priorität zu. Die Apostel initiierten gewöhnlich solche Anlässe und stellten sich zur Verfügung, um Freisetzung für den Dienst und Anerkennung durch Gott in das Leben dieser speziell Auserwählten hineinzutragen, da sie die Autorität von Gott dafür besaßen.

Apostel geben ihre Autorität an untergeordnete Leiter weiter

Die Natur des apostolischen Dienstes offenbarte die Notwendigkeit, lokale Überwacher (also Pastoren und Älteste) in Verantwortung über das Werk Gottes zu setzen. Der Apostel Paulus bestimmte einen solchen Überwacher mit Namen Timotheus und beauftragte ihn offensichtlich mit der Aufsicht über mehrere Gemeinden. Viele glauben, dass diese Menschen anhand ihres Titels „Bischof“ als Aufseher mehrerer Gemeinden erkannt werden konnten. Offensichtlich war eine solche Verantwortung das ideale Übungsfeld für Menschen, die zu Aposteln heranreiften - wie es auch bei Timotheus später der Fall war.

Wenn sich die Gemeinde der apostolischen Dimension nähert, müssen wir die Prinzipien untersuchen, die die Apostel des ersten Jahrhunderts anleiteten, damit wir sie in unserem Jahrhundert anwenden können. Wir müssen dazu bereit sein, als Bewegung Gottes die Prinzipien der abhängigen Kooperation, der freiwilligen Unterstellung, der lokalen Autonomie und der gegenseitigen Rechenschaftsablage anzuwenden. Ganze apostolische Haushalte müssen mit ihren apostolischen Vätern auf eine ausgewogene und schriftbezogene Art und Weise kooperieren.

Zusammenfassung

Wo auch immer Autorität angewandt wird, müssen sich Menschen gegenseitig in einem Geist der Liebe und Einheit unterstellen (siehe Eph. 5,21). Die Lokalgemeinde muss stark und unabhängig bleiben, doch auch völlig offen für die Führung und den Einfluss durch den Apostel. Die Väter müssen in wahren Beziehungen und in Offenheit zusammenkommen, wobei sie sich gegenseitig Rechenschaft über das Wort und den Geist Christi geben, Seinem Volk zum Guten. Wenn wir dies erreichen, wird das Werk Gottes unter den Nationen voranschreiten, und zwar auf einer ausgeglichenen und festen Weise. Einheit wird sich dann unter den Leitern verschiedenartiger Hintergründe und Blickwinkel ausbreiten.

Seit diesem schicksalsschweren Tag, an dem zwei junge Apostel Jesus mit ihrer Bitte um Rangstellung und Autorität begegneten, wurde die Rolle des Apostels bezüglich der Autorität erörtert, geklärt und praktiziert. Diese zwei Männer lernten ihre Lektion über geistliche Autorität, gingen weiter und erlebten schließlich die geistliche Kraft. Sobald die Gemeinde vorwärts geht, müssen wir dieselben Lektionen beachten, damit auch wir voranschreiten und übernatürliche Kraft erleben können.

(*1) Der Autor erkennt an, dass die Tradition der römisch-katholischen Kirche lehrt, dass Matthäus 16,18 die offizielle Einsetzung des Petrus durch Christus als der die Gemeinde leitende Apostel war und er schließlich von ihr als der erste Papst gesehen wurde. Protestanten akzeptieren diesen Gesichtspunkt jedoch nicht und betrachten stattdessen die Glaubensbestätigung des Petrus (Mt. 16,16) als den „Felsen“, auf den Christus seine Gemeinde bauen würde.

(*2) Christian Equippers International, The Master Builder (1985), S.147.

(*3) Roland Allen, Missionary Methods, St. Paul’s or Ours? (Grand Rapids: Eerdmans, 1962), S.12.

(*4) William Steuart McBirnie, The Search for the Twelve Apostles (Wheaton, Ill.: 1978), S.43.

 

Aus dem Buch: „Apostolische Leidenschaft“ von David Cannistraci

Hassman-Verlag, Otto-Seeling-Promenade 14, D-90762 Fürth

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