Hand in Hand - Internationaler christlicher Lehr- und Hilfsdienst
Artikel und Bibelstudien

WAS SÄTTIGT UNS?
ODER: DER SEELEN FRESSENDE LEITER

Von Hartwig Henkel

 
Menschen haben nicht nur körperlichen Hunger, sondern auch seelischen Hunger. Wir alle werden angetrieben durch einen Hunger nach Liebe, Wertgefühl und Schutz. So sind wir gemacht.

Es gibt für uns als geistliche Leiter und Mitarbeiter grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten, wie wir Sättigung erlangen können. Darüber müssen wir uns selbst im klaren sein und auch die Konsequenzen im Alltag ziehen. Wenn wir die geistlichen Gesetze nicht beachten, werden wir uns und Menschen unserer Umgebung Schaden zufügen, auch wenn wir jetzt beteuern, das wollen wir nicht und es wird niemals geschehen.

Entweder haben wir unsere Erfüllung und Sättigung in unserer lebendigen Beziehung zum Herrn, oder aber in unserem Dienst und im Erreichen unserer Ziele.

Wenn wir von den Resultaten unseres Dienstes leben wollen, vom Wachstum der Gemeinde oder des Dienstes, von den Bekehrungen, den Wundern oder anderen sichtbaren Zeichen des Erfolges, wird das eine unvermeidliche negative Entwicklung in Gang setzen. Wir werden zunehmend unzufrieden sein, Druck auf uns spüren und diesen Druck auf unsere Mitarbeiter legen. Wir werden die Freude am Leben und an den Menschen um uns herum verlieren und schnell mit Enttäuschung und Ärger, Zorn und Schlimmeren reagieren. Denn die Quelle unsere Befriedigung ist das Resultat unserer Arbeit. Zwar wollen wir die Resultate für den Herrn erreichen, aber wir haben einen fatalen Fehler begangen: das Ziel unseres Lebens hat sich verschoben. Das wichtigste ist nicht mehr unsere wachsende Liebesbeziehung zum Herrn, sondern der Dienst für Ihn. Das größte und erste Gebot ist nicht, für die Ausbreitung des Reiches Gottes zu arbeiten, sondern Gott zu lieben. Er weiß, wenn irgendetwas in unserem Leben Seinen Platz einnimmt, wird es uns zerstören. Darum sagt Er, dass Er ein eifersüchtiger Gott ist und uns nicht erlaubt, irgendwelche Götter neben Ihm zu haben.

Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten. Jer 2,13

Der Herr ist uns eine Quelle von lebensschaffendem Wasser, die ohne unsere Anstrengung fließt. Gottes Liebe ist bedingungslos und will zu uns ohne Arbeit und Anstrengung fließen. Sie ist nicht abhängig von unseren Leistungen oder unserem Versagen. Wenn wir nicht von dieser Quelle trinken, müssen wir uns andere Möglichkeiten schaffen, die unseren Durst löschen. Für diese selbstgewählten Wasserstellen müssen wir hart arbeiten, und trotzdem geben sie uns nie soviel, wie wir wirklich brauchen. Selbstgewählte Wege der Erfüllung können uns nicht wirklich befriedigen, deshalb werden wir gierig werden nach immer mehr. Es gibt nur zwei Möglichkeiten des Dienstes, entweder sind wir Diener der Gnade, das bedeutet, wir erleben aus Glauben eine tiefe, erfüllende Gemeinschaft mit unserem Gott, die dann die tragende Kraft unseres Dienstes wird, oder wir arbeiten hart, um die Erfüllung zu erleben.

Wenn wir unsere Erfüllung in den sichtbaren Resultaten suchen, werden wir allmählich den Blick für die Wahrheit verlieren und etwas sehr Zerstörerisches wird sich unbemerkt in unsere Beziehungen einschleichen. Wir werden unbewusst anfangen, unsere Mitarbeiter oder Gemeindeglieder als Helfer zu betrachten, die dafür da sind, uns Erfüllung und Befriedigung zu verschaffen. Wir beginnen, sie nur noch als Helfer für uns zu sehen, auf die wir allmählich Besitzansprüche erheben. Wir werden zunehmend unzufriedener werden und sie zu mehr Leistungen antreiben. Gegenseitige Wertschätzung, Freude an einander und echte Gemeinschaft sterben ab. Unser Umgangston mit unseren Mitarbeitern wird unfreundlicher werden, satt zu loben und zu ermutigen, werden wir mehr und mehr kritisieren und Druck auf sie ausüben. Damit ist eine Entwicklung vorgegeben, die oft in einem Zusammenbruch von Beziehungen endet. Nach einiger Zeit werden unsere Mitarbeiter unbewusst spüren, dass wir an ihnen als Mensch kein Interesse haben und sie uns nur noch als Lieferant von neuen Erfolgen sehen können. Das wird unweigerlich ihre Motivation verringern, worauf wir mit noch mehr Druck reagieren. Wir werden ihnen Vorwürfe machen, dass sie nicht mehr geistlich sind, lau geworden sind und nicht mehr hinter unserer Vision stehen.

Wenn die ersten Mitarbeiter anfangen, sich zurückzuziehen oder wegzugehen, können wir sehr enttäuscht reagieren. Oft müssen solche Mitarbeiter zum Abschied noch Vorwürfe und Verurteilungen mit auf den Weg nehmen, sie seien „nicht loyal oder rebellisch und Gott ungehorsam“. Oder noch schlimmer, wir prophezeien ihnen, dass der Herr sie verworfen habe und nie mehr segnen werde bis sie Buße tun und wieder zurückkommen. Wir meinen dann sogar, wir müssen die anderen Christen oder Gemeinden vor ihnen warnen oder ihnen einen Neuanfang irgendwo anders besonders schwer machen. Solche Verhaltensweisen gehen dann schon sehr stark in christliche Zauberei hinein, mit der wir als Leiter sehr viel Unheil anrichten können.

Die Heilige Schrift redet in sehr deutlicher Sprache von Leitern, die die Seelen von Menschen fressen.

Hes 22,24 Menschensohn, sprich zu ihm: Du bist ein Land, das nicht benetzt, nicht beregnet ist am Tag des Zorns,
25 dessen Obere in seiner Mitte sind wie ein brüllender Löwe, der Beute reißt. Seelen fressen sie, Reichtum und Kostbarkeiten nehmen sie, seine Witwen lassen sie zahlreich werden in seiner Mitte.
26 Seine Priester tun meinem Gesetz Gewalt an und entweihen meine heiligen Dinge; zwischen heilig und nicht heilig unterscheiden sie nicht, und den Unterschied zwischen unrein und rein lassen sie nicht erkennen; und vor meinen Sabbaten verhüllen sie ihre Augen. So werde ich in ihrer Mitte entweiht.
27 Seine Obersten sind in seiner Mitte wie Wölfe, die Beute reißen, um Blut zu vergießen, Seelen zugrunde zu richten, damit sie unrechten Gewinn erlangen.

Hes 34,8 So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR: Fürwahr, weil meine Schafe zum Raub und meine Schafe allen Tieren des Feldes zum Fraß geworden sind, weil kein Hirte da war und meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragten und die Hirten sich selbst weideten, nicht aber meine Schafe weideten,
9 darum, ihr Hirten, hört das Wort des HERRN!
10 So spricht der Herr, HERR: Siehe, ich will an die Hirten, und ich werde meine Schafe von ihrer Hand fordern und will ihnen ein Ende machen, dass sie nicht länger meine Schafe weiden. Und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; und ich werde meine Schafe aus ihrem Rachen retten, dass sie ihnen nicht mehr zum Fraß seien.

In der letzten Schriftstelle wird diese Problematik besonders deutlich ausgedrückt. Drei wichtige Aussagen möchte ich besonders hervorheben:

  • Es gibt Hirten, die Schafe fressen. (Vers 10)
  • Der Anfang dieser furchtbaren Fehlentwicklung ist eine selbstsüchtige Motivation. Statt der Herde zu dienen, dienen sie sich selbst. (Vers 8)
  • Der Herr wird solchen Hirten nicht länger erlauben, ihren Dienst zu missbrauchen. (Vers 10)

Diesen Sachverhalt, dass wir als hungrige, unerfüllte Christen andere fressen können, gibt es auch im Neuen Testament.

Gal 5,15 Wenn ihr aber einander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht voneinander verzehrt werdet!

Wenn wir im Fleisch leben, sind wir wirklich gefährlich!

Der Anfang dieser furchtbaren Entwicklung, die sich oft viele Jahre bis zum Zusammenbruch der Beziehung zwischen Leiter und Mitarbeitern hinzieht, ist die fast unmerkliche Fehlentscheidung, von den Früchten des Dienstes zu leben.

Unser einziger Ausweg ist eine vertiefte, stetig wachsende Beziehung zum Herrn, die uns wirklich ausfüllt und sättigt. Eine Fülle von Schriftstellen handelt von diesem Thema. Hier nur ein kleiner Ausschnitt:

Jer 31,14 Und ich will die Seele der Priester mit Fett laben, und mein Volk wird sich an all meinem Guten sättigen, spricht der HERR.

Jer 31,25 Denn ich habe die erschöpfte Seele reichlich getränkt und jede schmachtende Seele gefüllt.

Gal 5,16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht erfüllen.

Jes 58,11 Er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre.

Das bedeutet doch, dass es unserer Seele gut gehen kann, auch wenn noch nicht all das in unserem Dienst geschieht, was wir uns erhoffen und was der Herr uns auch verheißen hat. Als unerfüllte, frustrierte Leiter können wir nicht mehr vorangehen und leiten, sondern werden die Herde treiben und bedrücken.

Jes 43,19–21 Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf. Erkennt ihr es nicht? Ja, ich lege durch die Wüste einen Weg, Ströme durch die Einöde.
Die Tiere des Feldes werden mich ehren, Schakale und Strauße, weil ich in der Wüste Wasser gegeben habe, Ströme in der Einöde, um mein Volk zu tränken, mein auserwähltes.
Dieses Volk, das ich mir gebildet habe, sie sollen meinen Ruhm erzählen.

Gottes Volk kann den Herrn verherrlichen, weil sein Durst gestillt ist!

Ps 90,14 Sättige uns am Morgen mit deiner Gnade, so werden wir jubeln und uns freuen in allen unseren Tagen.

Ps 103,5 Der mit Gutem sättigt dein Leben. Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler.

Mat 11,28–30 Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen; denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Siehe auch noch Ps 63,5 und Joh 7,37!

Unser Gott lädt uns ein, bei Ihm zu trinken, damit unser Durst gestillt wird und das Abmühen in eigener Kraft zu Ende kommt.

Natürlich ist dieses Leben der erfüllenden Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott für jeden Gläubigen vorgesehen. Aber besonders wir als Leiter brauchen diesen Lebensstil. Die Versuchung ist immer, besonders wenn unser Dienst gut läuft und wir im Sichtbaren Fortschritte machen, an unserer persönlichen Zeit mit dem Herrn zu sparen. Wir haben ja soviel zu tun! Die Versuchung, es mit eigener Kraft oder den Möglichkeiten unserer Persönlichkeit zu schaffen, ist groß. Aber seien wir realistisch. Andere, die stärker und belastbarer waren als wir, sind im Dienst für den Herrn ausgebrannt, als sie dieser Versuchung nachgaben. Niemand entkommt diesem geistlichen Gesetz.

Setzen wir uns dieses Ziel und disziplinieren wir uns im Alltag, dass wir es nie aus den Augen verlieren: meine erste Aufgabe ist, den Herrn kennen und lieben zu lernen und Ihm zu dienen in Anbetung und Gemeinschaft. Unsere Gebetszeiten dürfen sich nicht darauf reduzieren, dass wir den Segen Gottes für unsere Unternehmungen und das Thema unserer nächsten Predigt suchen.

Der Vater sucht Anbeter, die Ihm im Geist und in der Wahrheit anbeten. Gott verdient unsere Anbetung, weil Er Gott ist. Unsere Beziehung zu Ihm ist wichtiger als unser Dienst vor den Augen der Menschen.

Wenn wir Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist pflegen, wird Er uns Glauben vermitteln für eine wirkliche Beziehung zum Vater. Ohne Glauben unmöglich, Gott zu gefallen! Aber mit Glauben ist es möglich!

Der Heilige Geist wird uns die Kunst lehren, auf den Herrn zu warten und Ihm zu dienen. Dies ist der Weg zu stetiger Kraft und Frische und unser Schutz vor Ausbrennen.

Hartwig Henkel/Hand in Hand, März 2000
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