Hand in Hand - Internationaler christlicher Lehr- und Hilfsdienst
Artikel und Bibelstudien

Gottes Ordnung für die Gemeinde -

oder:

Zeit für eine neue Reformation

von Hartwig Henkel

Der Sohn Gottes ist in die Welt ge­kommen, um die Werke des Teufels zu zerstören und Menschen Wieder­her­stellung zu bringen. Nachdem Er am Kreuz die Strafe für unsere Re­bellion gegen Gott auf sich ge­nommen, die Macht Satans gebrochen und für hoffnungslose Sünder den Weg zurück zum Vater gebahnt hatte, beauftragte der Herr Seine Jünger, unter Seiner Anleitung und ausgerüstet mit der Kraft des Heiligen Geistes, mit aller Entschiedenheit gegen die Mächte der Finsternis vor­zu­gehen. Lüge, Angst und Ein­schüchterung sollten konfrontiert und niedergerissen werden, um die Ge­fangenen Satans zu befreien. Eine offensive, siegreiche Gemeinde hatte Jesus angekündigt ( Math 16,18), und unter der Anleitung der Apostel wurde sie tatsächlich gebaut. Für eine lange Zeit vollbrachte sie mit heute unvorstellbarer Kraft genau das, wofür sie geschaffen wurde: Menschen aus der Gewalt Satans zu befreien und sie aus der Finsternis zum Licht zu bringen. ( Apg 26,18) Paulus lehrte die Gläubigen, dass sie gegen die Weltbeherrscher der Finsternis zu kämpfen hatten und brachte ihnen auch bei, wie sie es in siegreicher, effektiver Weise tun konnten. ( Eph 6,10-20)

Der Apostel Paulus lehrte, dass es möglich ist, stark zu werden bis zu dem Punkt, wo die Gläubigen in der Macht der Stärke des Herrn operieren konnten. Durch das Schwert des Geistes sollen Ideologien und Lügengebäude zerstört werden und geistlich Blinde wieder sehend werden. Die prak­tische Wirkung dieser Lehre ... können wir dann tatsächlich im Ge­schichts­­buch der ersten Anfänge des christlichen Glaubens nachlesen.

Und das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr; und eine große Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam. Apg 6,7

Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich. Apg 12,24

Das Wort des Herrn aber wurde ausgebrei­tet durch die ganze Gegend. Apg 13,49

So wuchs das Wort des Herrn mit Macht und erwies sich kräftig. Apg 19,20

Gerade auch des Beispiel von Ephesus zeigt uns deutlich, worauf die ersten Baumeister der Gemeinde achteten. Das Wort Gottes wurde dort im Verlauf eines Prozesses die geistlich dominierende Macht, die die bis dahin vorherrschende Religion der Gegend, den Diana-Kult, herausforderte und schließ­lich besiegte. Aber dieser Prozess begann mit damit, dass Paulus für eine kleinere Gruppe von Gläubigen einen geistlich Raum schaffte, wo das Wort Gottes ohne Wider­spruch als Ganzes angenommen wurde und so frei arbeiten konnte.

Er ging aber in die Synagoge und sprach freimütig drei Monate lang, indem er sich unterredete und sie von den Dingen des Reiches Gottes überzeugte. Als aber einige sich verhärteten und nicht glaubten und vor der Menge schlecht redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen und sonderte die Jünger ab und unterredete sich täglich in der Schule des Tyrannus. Dies aber geschah zwei Jahre lang, so daß alle, die in Asien wohnten, sowohl Juden als Griechen, das Wort des Herrn hörten. Apg 19,8-10

Die Resultate des Lehrdienstes von Paulus waren so durchschlagend, dass nach einem Zeitraum von nur zwei Jahren eine ganze Region die Botschaft vom Reich Gottes ge­hört hatte. Trotz aller modernen Kommuni­kationsmittel können wir heute nirgends solche gewaltigen Resultate sehen. Paulus wusste, dass Gottes Wort in einer Atmo­sphäre des Widerspruchs und der inneren Unabhängigkeit seine Kraft nicht entfalten konnte. Pluralistische Meinungsfreiheit be­züg­lich der Ansichten über den Willen Gottes hatten in der ersten Christenheit keinen Platz. Die Apostel wussten sich dem Gehorsam gegenüber ihrem Herrn total verpflichtet und erwarteten die gleiche Haltung von allen übrigen Gläubigen. Des­halb blieben diese auch in der Lehre der Apostel. (Apg 2,42)

Die Apostel hatten die Lehren des Herrn bezüglich der Kraft des Wortes Gottes noch klar vor Augen. Sie hatten verstanden, dass eine Vermischung des Wortes mit mensch­lichen Vor­stellungen immer zu einer Schwächung führen würde.

... und ihr habt so das Gebot Gottes ungültig gemacht um eurer Überlieferung willen. Mat 15,6

Was hier mit „ungültig gemacht“ übersetzt wurde, ist ein juristischer Fachausdruck und bedeutet „etwas rechtmäßiges außer Kraft setzen“ oder allgemein „etwas unwirksam machen, vereiteln, außer Geltung setzen, seiner Autorität berauben“. Genau das ist die große Gefahr in unserem Umgang mit dem Wort Gottes, dass wir aus Angst vor Schwierigkeiten, aus Gedankenlosigkeit, Anmaßung oder welchen Gründen auch immer, menschliche Überlegungen dem Wort Gottes vorziehen. Was zunächst wie eine Erleichterung oder Verbesserung aussieht, erweist sich dann aber als „Ismael“, einen menschlichen Ersatz, für den wir teuer bezahlen müssen.

Paulus war deshalb sehr darauf bedacht, die Gläubigen vor einer Vermischung mit anderem Ge­­­danken­gut zu bewahren und sprach deutliche Warnungen aus.

Seht zu, daß niemand euch einfange durch die Philosophie und leeren Betrug nach der Über­­lieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht Christus gemäß. Kol 2,8

Genau an diesem Punkt setzt die Lehre über die Ordnungen Gottes an. Seit der Refor­mation hat man sich hauptsächlich um die Wiederherstellung der biblischen Botschaft bemüht, aber in der Frage der Form und Ordnung der Gemeinde war man vielfach der Meinung, dass dies Fragen seien, die wir selbst nach unserem Gutdünken ent­scheiden könnten. Statt der Prinzipien und Ordnungen Gottes wurde oft mit Ideen und Kräften der Welt gebaut. Der Preis für solche Anmaßung war und ist hoch. Die göttliche Bestätigung, die Kraft des Geistes, welche die Niederlage des Reiches der Finsternis öffentlich demonstrieren sollte, blieb weitgehend aus. Stattdessen kam mit den Ideen der Welt auch die Atmosphäre der Welt, nämlich Un­glauben und Unabhängigkeit, in die Gemeinde. Wenn im späteren Verlauf dieses Textes Gottes Ordnungen für die Gemeinde dargestellt werden, wird diese Behauptung von der selbstgemachten Niederlage und Kraft­losigkeit der Gemeinde durch Missachtung des Wortes Gottes und dem Vertrauen in menschliche Weisheit mit Fakten unter­mauert werden. Jahrhunderte lang hat Gottes Volk gebetet: DEIN ist das Reich und die Kraft! Aber weil wir in entscheidenden Fragen des Gemeindebaus doch unseren Ideen gefolgt sind und damit zum Ausdruck gebracht haben, dass es doch UNSER Reich ist, kam auch Seine Kraft nicht. Wer bestimmen darf, zeigt, wessen Reich es ist, und dessen Kraft wird sich auch manifestieren. Was von der Welt ist, kann die Welt nicht überwinden. Die Verheißung des Überwindens bleibt dem vorbehalten, was von Gott geboren ist. ( 1.Joh 5,4)

Aber der Herr wendet sich Seinem Volk zu und verspricht eine Erlösung aus dem Schmerz der Erniedrigung und der Kraft­losigkeit.

So spricht der HERR, dein Herr, und dein Gott, der den Rechtsstreit seines Volkes führt: Siehe, ich nehme aus deiner Hand den Taumelbecher, den Kelch, den Becher meines Zorns; du wirst ihn nicht mehr länger trinken.

Ich gebe ihn in die Hand deiner Peiniger, die zu deiner Seele sagten: Bück dich, daß wir hinüberschreiten! Und du machtest deinen Rücken der Erde gleich, wie eine Straße für die Hinüberschreitenden. Jes 51,22-23

Die Zeiten der Schmach sollen für die Ge­meinde zu Ende gehen. Der Herr wird am Ende der Tage Seine Gemeinde herrlich, rein, einig und siegreich machen. Dazu lässt Er immer stärker Seine Stimme hören und ruft uns zu neuer und weitergehenderer Zu­sam­menarbeit mit Ihm auf.

Wach auf, wach auf! Kleide dich, Zion, in deine Kraft! Kleide dich in deine Pracht­gewänder, Jerusalem, du heilige Stadt! Denn nicht mehr länger soll dich ein Unbe­schnittener und ein Unreiner betreten.

Schüttle den Staub von dir ab! Steh auf, setz dich hin, Jerusalem! Mach dich los von den Fesseln deines Halses, du gefangene Tochter Zion! Jes 52,1-2

Wir sollen aufwachen aus unseren Träumen und Illusionen. Warum sollten wir glauben, dass ein stures, oder wie wir, meinen treues Weiterfahren auf den alten Gleisen irgend­wann den Durchbruch bringen. Sollten nicht einmal die Gleise überprüft werden, wo sie eigentlich hinführen? Es stimmt einfach nicht, dass wir nur auf die Botschaft zu achten haben, dass sie in Übereinstimmung mit dem Herrn sei, aber die äußere Form sei unwichtig und deshalb unserem Gutdünken überlassen.

Der Ruf zum völligen Gehorsam - oder: Wer hat den Plan?

Als der Herr mit Noah einen neuen Anfang mit der Menschheit machen wollte, weil die Sünde sich so tief hineingefressen hatte, gab Er ihm den Auftrag, die Arche zur Rettung zu bauen. Nachdem der Herr zu Noah sprach: „Und so sollst du sie machen:“, gab Er ihm ganz spezifische Details, wie das Schiff auszusehen hatte. Dann heißt es ganz schlicht:

Und Noah tat es; nach allem, was Gott ihm geboten hatte, so tat er. 1.Mo 6,22

Als später Mose vom Herrn beauftragt wurde, ein Heiligtum zu bauen, damit Er in der Mitte Seines Volkes wohnen könne, lautet der Befehl des Herrn:

Nach allem, was ich dir zeige, nämlich dem Urbild der Wohnung und dem Urbild all ihrer Geräte, danach sollt ihr es machen. 2.Mo 25,9

Und nachdem der Herr alle Details in Formen und Materialien beschrieben hatte, schärft Er Mose noch einmal ein:

Und sieh zu, daß du alles nach ihrem Urbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist! 2.Mo 25,40

Und noch einmal muss Mose hören:

So errichte denn die Wohnung nach ihrem Bau­plan, wie er dir auf dem Berg gezeigt worden ist! 2.Mo 26,30

Als schließlich die Arbeit für das Heiligtum abge­schlossen wurde, hebt der Heilige Geist diesen Punkt zum vierten Mal hervor:

So wurde die ganze Arbeit der Wohnung des Zeltes der Begegnung vollendet: die Söhne Israel machten es ganz so, wie der HERR dem Mose geboten hatte, so machten sie es. 2. Mo 39,32

Ist das ein schlechter Schreibstil? Oder möchte uns der Herr mit diesen Wiederholungen nicht etwas sagen?

Paulus bezeichnet sich als weiser Baumeister der Gemeinde. Ein Baumeister baut nicht ein­fach drauf los, sondern er folgt einem Plan. Diesen Plan er vom Herrn der Gemeinde be­kommen, der gesagt hatte: „Ich werde meine Gemeinde bauen.“

Grundlegende Details von Gottes Plan

Bevor wir einige Details des Planes Gottes für die Gemeinde anschauen, wie sie in der Heiligen Schrift zu finden sind, möchten noch etwas vorausschicken. Obwohl die meisten christlichen Gemeinden in vielen Punkten nicht dem göttlichen Maßstab entsprechen, hat der Herr sie doch in der Vergangenheit in mancher Weise gesegnet. Wenn wir den göttlichen Maß­­stab an die heutigen Verhältnisse anlegen, dann nicht um andere Gläubige zu verurteilen, sondern um unseren Blick für zu erwartende Reformationen zu schärfen. Wir sollen den Plan Gottes kennen und ihm dann mit Hingabe, Mut zum Leiden und viel Gebet Bahn machen. Die Segnungen der Vergangenheit dürfen nicht einfach als Beweis gewertet werden, dass der Herr mit den momentanen Verhältnissen einverstanden ist. Der Herr will nicht Denominationen erneuern, sondern Seine Gemeinde so bauen, wie Er sie in Seinem Wort beschrieben hat.

Bekehrung

Wenn wir den neutestamentlichen Ruf zum Glauben an Gott vergleichen mit dem, was heute vielfach verkündigt wird, müssen wir gravierende Unterschiede feststellen. Während damals Menschen zu einer radikalen Umkehr und zu einem Bruch mit ihrem gesamten bisherigen Wertesystem und Lebensstil aufgefordert wurden, wird heute zum großen Teil viel weniger erwartet. Eine Absichtserklärung, an den Herrn glauben zu wollen, ein Erheben der Hand, das Nachsprechen eines Gebetes oder das Ausfüllen einer Karte genügt in vielen Gemeinden oder Evangelisationsveranstaltungen, und schon wird dem Suchenden versichert, dass er jetzt unser Bruder sei und zur Familie Gottes gehöre. Worte wie „Absagen der Sünde, Gehorsam oder Herrschaft Gottes“ fallen oft überhaupt nicht oder werden nicht erklärt. Nach der Schrift beginnt der Eingang ins Reich Gottes mit Buße. Ich wage zu behaupten, dass ein nicht geringer Teil unsere Gläubigen nicht im Stande ist, die Bedeutung dieses Wortes „Buße“ wirklich zu erklären. Die völlige Umkehr in der Gesinnung muss eine Entschiedenheit mit einschließen, die Wege der Sünde zu verlassen.

So tut nun Buße und bekehrt euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, Apg 3,19

Ohne Umkehr in der Gesinnung kann sich niemand richtig bekehren und bekommt auch nicht vom Herrn die Gnade, an Ihn glauben zu können.

Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Ein­gang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, dem leben­digen und wahren Gott zu dienen... 1.Th 1,9

Ohne Abkehr von den bisherigen Götzen können wir nicht wirklich dem Herrn dienen. Vielleicht meinen wir an, Gott zu glauben, aber unser Glaube wird keine Kraft freisetzen für ein heiliges Leben und mit unseren Werken werden wir doch Gott verleugnen. ( 2.Ti 3,5 / Ti 1,16)

Warum haben zum Beispiel so viele Gläubige Probleme mit dem Zehnten? Warum müssen wir eine so geringe Bereitschaft bei vielen Nachfolgern des Herrn beklagen, um des Reiches Gottes willen auf Vergnügungen und Bequemlichkeiten zu verzichten und stattdessen einen Lebensstil der Einfachheit und des Dienens einzuüben? Liegt es nicht einfach daran, dass viele noch nie das Ziel der Selbstverwirklichung als Götzendienst erkannt haben? Nach dem Standard des Neuen Testamentes ist Habsucht nichts anderes als Götzendienst.

Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. 2.Kor 5,15

Taufe

Als die Zuhörer von Petrus am Pfingsttag von dessen Predigt mit Schmerzen durchbohrt wurden und völlig bereit waren, die Wege Gottes zu erfahren, bekamen sie klare Handlungs­anweisungen, deren Annahme oder Verwerfung sofort gezeigt hätte, wer wirklich glaubt und wer nicht:

Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Apg 2,38

Die gläubigen Juden, und zwar jeder von ihnen, sollten sich nach ihrer Umkehr auf den Namen des Mannes taufen lassen, der erst vor wenigen Wochen von ihrer geistlichen Leiterschaft wegen Gotteslästerung angeklagt und der römischen Gerichtsbarkeit überliefert wurde, damit sie ihn zum Tode verurteilten. Jeder der Zuhörer von Petrus hatte verstanden, dass man damit der geistlichen Leiterschaft eine völlige Inkompetenz zuerkannte und sich öffentlich von deren Fehl­urteil distanzierte. Mit der Taufe auf den Namen Jesu Christi würde man einen unverzeihlichen Affront gegen den jüdischen Glauben begehen.

Aber die Taufe war unverzichtbare Bedingung für den Beginn des Gehorsams gegenüber dem lebendigen Gott. Die in Kapitel 10 der Apostel­geschichte beschriebene Bekehrung der Leute von Kornelius endet mit dem Satz: Und er befahl, dass sie getauft würden im Namen Jesu Christi.

Die äußere Form des Untertauchens sowie der Zeitpunkt der Taufe, nämlich NACH der per­sönlichen Entscheidung zur Nachfolge, wurden in der Zeit der ersten Apostel nicht den persön­lichen Vorlieben der neuen Gläubigen überlassen. Wie anders die Situation heute! Das Schockierende ist, dass ein großer Teil derer, die sich als Nachfolger des Herrn sehen, an der Vielfalt der Taufpraktiken nichts auszusetzen haben oder darin sogar noch einen Gewinn sehen. Aber wenn damals die Taufpraxis zu einem Konflikt mit dem vorherrschenden geistlichen System führte und die Apostel die Neubekehrten nicht vor dieser Spannung bewahrten, warum sollte es heute anders sein? Woran soll sich denn unsere Nachfolge im Glauben orientieren? An dem, was die anderen tun, oder dem, was akzeptabel ist und die sogenannte Einheit fördert oder am Wort des Herrn?

Eine Glaubensschwester rief mich an und wollte mit mir über ein Problem sprechen. Sie hatte meine Grundlagencassetten gehört und war zu der Erkenntnis gekommen, dass sie sich taufen lassen sollte. Ich sagte: „Das ist ja wunderbar! Und wo ist das Problem?“ Sie antwortete mir: „Ich habe mit meinem Priester über die Sache gesprochen, und der meinte, ich würde die Seligkeit verlieren, wenn ich mich noch mal taufen lasse.“ ( Sie war als Baby mit Wasser besprenkelt worden.)

Wie dieses Beispiel deutlich zeigt, geht es bei der Tauffrage eben auch darum, wen wir für geistlich kompetent halten und welchen Platz Gottes Wort, und damit auch der Herr selbst, in unserem Leben haben soll.

Ältestenteams

Der nächste Punkt, wo wir häufig Abweichungen von Gottes Plan erleben, betrifft die Gemeinde­leitung. Über den Dienst des Paulus lesen wir folgendes:

Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren. Apg 14,23

Sie, das meint Paulus und Barnabas, setzten in JEDER Stadt Älteste ein. Warum? Ganz einfach, weil sie als Apostel verstanden hatten, dass der Herr in jeder Stadt Älteste haben will.

Die erste Gemeinde in Jerusalem hatte Älteste und auch die Gemeinde in Ephesus wurde von Ältesten geleitet. Die Anweisungen an Titus, den apostolischen Mitarbeiter von Paulus lauteten ent­sprechend:

Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste anstellen solltest, wie ich dir geboten hatte, Tit 1,5

Im Griechischen wird hier ein Wort gebraucht, das „nachträglich in Ordnung bringen“ bedeutet. Eine Gemeinde, die nicht von Ältesten geleitet wird, ist nach dem Befund der Schrift nicht in der Ordnung Gottes.

Nirgendwo im Neuen Testament finden wir Gemeinden, die von einem Pastor geleitet wurden. Aber wir finden das heutzutage in Ordnung und stören uns kaum daran, dass Gottes Ordnung anders aussieht. Und ob der leitende Mann wirklich ein Hirte ist, ist den meisten auch nicht wichtig, weil aus der Beschreibung eines Dienstes längst ein Titel und die Beschreibung einer Position geworden ist. Auch die bekannte Schriftstelle über Heilung durch den Dienst der Ältesten macht deutlich, dass es im Neuen Testament als normal gesehen wird, dass jeder Christ Älteste hat.

Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Jak 5,14

Im Neuen Testament wurden Älteste nicht per demokratischer Mehrheitsentscheidung gewählt oder setzten sich selbst ein, sondern sie wurden von den Aposteln in ihren Dienst gesetzt. Nun mag mancher einwenden, dass doch nichts Verkehrtes daran sein könne, wen eine reife Gemeinde ihre Ältesten durch demokratische Wahl bestimmt. Schließlich leben wir ja in einem demokratischen Staat und sollen uns ja auch diesem unterordnen. Das Letztere ist zweifellos richtig, aber ein Staat hat gemäß der Bibel nicht das Recht, die Form der Gemeinde zu bestimmen. Das steht nur dem Herrn zu, der gesagt hat: Ich werde meine Gemeinde bauen.

Für ihren Dienst waren die Ältesten nicht nur vor der Versammlung verantwortlich, die sie leiteten, sondern - und das ist ein interessanter Punkt, der vielen Gläubigen durch die zahlreichen Gemeindekrisen immer wichtiger wird - die Ältesten legten auch gegenüber den Aposteln Rechenschaft ab.

Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an, außer bei zwei oder drei Zeugen. Die da sündigen, weise vor allen zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben. Ich bezeuge ernstlich vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln, daß du diese Dinge ohne Vorurteil befolgen und nichts nach Gunst tun sollst. 1.Ti 5,19 -21

Dies ist ein bedeutsamer Punkt, der die meisten heutigen Gemeinden von den neutesta­mentlichen Gemeinden unterscheidet. In vielen Gemeindekrisen der vergangenen Jahre ging es im Kern um einen Leiterschaftsstil, der nicht von Christusähnlichkeit geprägt war, sondern statt­dessen von Selbstherrlichkeit, Unabhängigkeit, Kontrolle und Manipulation. Die Schmerzen solcher Krisen führen heute viele Gläubige zu der enorm wichtigen Frage: Wer korrigiert die „Korrigierer“ der Gläubigen? Man beginnt zu ahnen, dass es sich nicht um unglückliche Einzelfälle handelt, sondern um einen grund­legenden Systemfehler der charismatischen Gemeinden. Die Erkenntnis bricht sich langsam Bahn: Es fehlt der apostolische Dienst, ohne den die Gemeinde nicht gesund wachsen kann.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Aufsicht eines Apostels über den Dienst der Ältesten nur innerhalb der vertrauensvollen Beziehung bestand, die er zu den Ältesten einer jeweiligen Gemeinde hatte. Einen Apostel, der sich über eine gewisse Region setzt und damit automatisch den Anspruch erhebt, den Gemeinden dieser Region vorzustehen, auch wenn sie gar keine Beziehung zu ihm haben, kennt das Neue Testament nicht.

Fortsetzung folgt

Im zweiten Teil dieses Artikels wird es um die folgen­den Punkte gehen:

  • Die Aufgaben der Ältesten
  • Leben in der Heiligung
  • Was hält Gottes Plan auf?
  • Was können wir tun, damit sich Gottes Plan durchsetzen kann?

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